Artikel 55
Article 55
Der Statthalter ist nicht verpflichtet, den Kalifen über das zu informieren, was er innerhalb seiner ihm übertragenen Befugnis durchgeführt hat. Taucht ein neues Problem auf, für das es keinen Präzedenzfall gibt, muss er den Kalifen zuerst darüber in Kenntnis setzen und handelt dann entsprechend den Anweisungen des Kalifen. Fürchtet er, dass sich das Problem durch Verzögerung verschärfen würde, führt er die Maßnahme durch und muss den Kalifen anschließend darüber informieren, warum er ihn nicht vorher unterrichtet hat.
The governor is not obliged to inform the Khalifah of what he has carried out within his authorised command. If a new problem arises which has no precedent, he has to inform the Khalifah about it first, and he then proceeds according to the instructions of the Khalifah. If he was afraid that the problem would be exacerbated if delayed, he carries out the action and then must inform the Khalifah later on about the reason for not informing him beforehand.
Der Beweis dafür ist, dass der Prophet ﷺ seine Statthalter bevollmächtigte und ihnen nicht auftrug, ihn über ihre Handlungen zu unterrichten, und dass sie ihm auch nie über irgendetwas berichteten. Vielmehr handelten sie mit voller Eigenständigkeit, und jeder von ihnen regierte in seiner Amtsführung nach seiner eigenen Meinung. So verfuhren Mu’adh, ’Attab Bin Asid, Al-’Ala’ b. Al-Hadrami und alle Statthalter des Gesandten Allahs ﷺ. Dies zeigt, dass der Statthalter den Khalifen über keine seiner Handlungen unterrichten muss. In diesem Punkt unterscheidet er sich vom Gehilfen, denn der Gehilfe muss den Khalifen über jede seiner Handlungen informieren, während es für den Statthalter nicht verpflichtend ist, den Khalifen über irgendeine seiner Handlungen zu unterrichten.
The evidence is that the Prophet (phuh) empowered his governors and did not request them to inform him of what actions they undertook and they did not use to report to him about anything. Rather, they used to undertake their actions with full independence, each of them ruling in his leadership by his opinion; this was the manner of Mu’adh, and ’Attab Bin Asid, Al- ’Ala’ b. Al-Hadrami, and of all of the governors of the Messenger of Allah (pbuh) – which indicates that the governor does not inform the Khalifah about anything from his actions. And in this regard, he is different from the assistant, since the assistant must inform the Khalifah about every action that he undertakes, whereas it is not obligatory upon the governor to inform the Khalifah about any of his actions.
Es ist verpflichtend, dass der Khalif jede Handlung des Gehilfen (Mu'āwin) überprüft, während es hingegen nicht notwendig ist, dass er jede Handlung des Statthalters (Wālī) überprüft, wenngleich er die Lage der Statthalter studiert und die Nachrichten von ihnen prüft. Demnach hat der Statthalter in seiner Statthalterschaft uneingeschränkte Handlungsfreiheit, weshalb Mu'ādh zum Gesandten Allahs ﷺ, als er nach Jemen geschickt wurde, sagte: „Ich werde meine eigene Meinung einsetzen.“ Dies ist ein Beweis dafür, dass der Statthalter den Khalifen nicht informiert, sondern seine eigene Meinung ausübt. Es ist nicht verboten, bei wichtigen Angelegenheiten die Meinung des Khalifen einzuholen, er sucht jedoch dessen Meinung nicht in unwichtigen Angelegenheiten, damit die Interessen der Menschen nicht verzögert werden. Tritt etwas Neues auf, überlässt er es der Meinung des Khalifen, denn die Befugnis der Statthalterschaft besteht darin, dass der Khalif die Führung einer Stadt oder Region dem Statthalter überträgt, eine Statthalterschaft über alle ihre Menschen und die Kontrolle in den bekannten Angelegenheiten seiner Handlungen. Wenn also eine neue Angelegenheit auftritt, die zuvor nicht bekannt war, wird sie zur Prüfung dem Khalifen überlassen, es sei denn, es wurde befürchtet, dass dies schädlich wäre; in diesem Fall übernimmt der Statthalter die Angelegenheit und informiert anschließend den Khalifen, da es sich um eine beispiellose Angelegenheit handelte.
It is obligatory that the Khalifah scrutinise every action the assistant undertakes, whereas it is not necessary for him to scrutinise every action of the governor, though he studies the situation of the governors and scrutinises the news from them. Accordingly, the governor has unrestricted action in his governorship, which is why Mu’adh said to the Messenger (pbuh) when he was sent to Yemen “I will exert my own opinion.”; so this is evidence that the governor does not inform the Khalifah, rather he exercises his opinion. It is not forbidden to take the opinion of the Khalifah in the important issues, but he does not seek his opinion in unimportant issues in order that the interests of the people are not delayed. If something new occurs, he leaves it to the opinion of the Khalifah, because the empowerment of the governorship is that the Khalifah delegates the leadership of a city or region to the governor which is a governorship over all its people, and control in the known issues from his actions. So if a new issue which was not previously known occurred, it is left for the examination of the Khalifah, unless it was feared that this would be detrimental, in which case the governor undertakes the issue and then informs the Khalifah, since it was an issue that was unprecedented.