21.2 Die Ausgaben des Bait ul-Mal
21.2 The Expenditures of Bait ul-Mal
Die Ausgaben des Bait ul-Mal beruhen auf sechs Grundsätzen:
The expenditures of the Bait ul-Mal are based upon six principles:
1. Die Ausgaben, für die der Schatzkammer (Bayt al-Mal) die Funktion der Verwahrung obliegt, und dies sind die Zakat-Gelder. Diese werden den Berechtigten im Rahmen der Verfügbarkeit ausgezahlt. Wenn der Schatzkammer im Zakat-Bereich Gelder zur Verfügung stünden, würden sie denjenigen unter den acht im Qur'an genannten Kategorien als ihr Recht ausgezahlt. Diese Gelder müssen ihnen gezahlt werden. Sollten diese Gelder jedoch nicht vorhanden sein, entfällt damit ihre Auszahlung an die Berechtigten; d. h. wenn der Schatzkammer im Zakat-Bereich keine Gelder zur Verfügung stünden, würde keiner der acht Kategorien etwas aus dem Zakat-Fonds ausgezahlt, und der Staat müsste bis zur Erhebung der Zakat kein Geld leihen.
1. The expenditures for which the Treasury acts as custodian, and these are the Zakat funds. These will be paid to those eligible subject to availability. If the funds were available to the Treasury in the Zakat section, they would be paid to those among the eight categories mentioned in the Qur’an as their right. These funds must be paid to them. However, if these funds were not available, this waives their payment to those eligible; i.e. if the funds were not available to the Treasury in the Zakat section, then none of the eight categories would be given any money from the Zakat fund and the State would not have to borrow any money pending the levying of Zakat.
2. Die Ausgaben, die dem Staatsschatz (Bayt al-Māl) als „I'ānah“ obliegen, also finanzielle Unterstützung, sowie in Bezug auf die Erfüllung der Pflicht des Jihād, etwa die Versorgung der Bedürftigen, der Armen und der Reisenden sowie die Ausgaben für den Jihād. Die Anspruchsberechtigung auf diese Ausgaben hängt nicht von der Verfügbarkeit von Mitteln ab, denn es handelt sich um ein Recht, das zu erfüllen ist, ob dem Staatsschatz Gelder zur Verfügung stehen oder nicht. Sind die Mittel vorhanden, so sind sie sogleich auszuzahlen. Sind die Mittel jedoch nicht vorhanden und ist zu befürchten, dass durch einen Aufschub der Zahlung eine ernsthafte Not entsteht, so soll der Staat das Geld sogleich leihen, bis es bei den Muslimen eingezogen wird, und es anschließend zurückzahlen. Ist nicht zu befürchten, dass eine Not entsteht, so gilt der Grundsatz: „Es wird bis zur Zeit der Erleichterung aufgeschoben.“ Die Zahlung wird daher so lange aufgeschoben, bis die Mittel erhoben sind, und dann an die Berechtigten ausgezahlt.
2. The expenditures which are due on the Treasury by way of “I’aalah” i.e. financial support and with regard to undertaking the duty of Jihad; such as spending on the destitute, the indigent and the traveller, and such as the spending on Jihad. The eligibility of this expenditure is not subject to availability, for it is a right that must be fulfilled whether funds were available to the Treasury or not. Hence, if the funds were available, they must be paid at once. However, if the funds were not available and if it were feared that a serious hardship would be caused by delaying the payment, the State should borrow the money at once, pending its collection from the Muslims, and then pay it back. If it were not feared that a hardship would be caused, then the principle: “It is delayed to the time of ease” would apply. Hence, payment would be deferred until the funds are levied and then they would be paid to those eligible.
3. Die Ausgaben, die der Staatskasse aufgrund von „Badal“ obliegen, d. h. als Vergütung oder Entschädigung, was bedeutet, dass die Gelder Menschen geschuldet werden, die dem Staat einen Dienst geleistet haben, und sie für ihre Dienste Geld erhalten haben – etwa die Gehälter von Soldaten, Beamten, Richtern, Lehrern und dergleichen. Daher unterliegen auch diese Zahlungen nicht der Verfügbarkeit. Dies sind Rechte, die unabhängig von Verfügbarkeit oder Knappheit erfüllt werden müssen, d. h. ob die Gelder in der Staatskasse vorhanden sind oder nicht. Sind die Mittel vorhanden, so sind sie sofort auszuzahlen; sind sie nicht vorhanden, ist der Staat verpflichtet, sie verfügbar zu machen, indem er von den Muslimen nimmt, was benötigt wird. Wenn befürchtet wird, dass durch einen Aufschub der Zahlung eine schwere Notlage entstünde, sollte der Staat das Geld umgehend leihen, bis es von den Muslimen eingezogen ist, und es dann zurückzahlen. Wäre nicht zu befürchten, dass eine Notlage entsteht, so würde der Grundsatz gelten: „Es wird auf die Zeit der Erleichterung verschoben.“ Die Zahlung würde also aufgeschoben, bis die Mittel erhoben sind, und dann an die Berechtigten ausgezahlt.
3. The expenditures which are due upon the Treasury by way of “Badal” i.e. recompense or allowance, meaning that the funds are owed to people who rendered a service to the State, they took money for their services; such as the salaries of soldiers, civil servants, judges, teachers and the like. Hence, such payments are also not subject to availability. These are rights that must be fulfilled regardless of availability or scarcity i.e. whether the funds were available in the Treasury or not. If the funds are available, they should be paid immediately; if they are not available, the State would be obliged to make them available by taking whatever is needed from the Muslims. If it is feared that a serious hardship would be caused by delaying the payment, the State should borrow the money at once, pending its collection from the Muslims and then pay it back. If it were not feared that a hardship would be caused, then the principle: “It is delayed to the time of ease” would apply. Hence, payment would be deferred until the funds are levied and then they would be paid to those eligible.
4. Die Ausgaben, die aus dem Staatsschatz (Bayt al-Mal) zu leisten sind und deren Zahlung im Wege der „Maslaha“, also des öffentlichen Wohls, und des „Irfaq“, also der öffentlichen Versorgungseinrichtungen, erfolgt, jedoch ohne Gegenleistung; mit anderen Worten: Die Zahlungen werden für eine Reihe von Einrichtungen verwendet, die keine Erträge oder Einnahmen erbringen, wie Straßen, Wasserversorgung, Moscheen, Schulen, Krankenhäuser und jede andere ähnliche Einrichtung, deren Verfügbarkeit als notwendig gilt und deren Fehlen der Umma Not bereiten würde. Daher ist die Zahlung für diese Einrichtungen nicht von der Verfügbarkeit von Mitteln abhängig. Vielmehr besteht eine verpflichtende Verbindlichkeit, unabhängig von Verfügbarkeit oder Knappheit. Wenn dem Staatsschatz Geld zur Verfügung stünde, sollte es daher für diese Einrichtungen ausgegeben werden; und wenn es im Staatsschatz nicht vorhanden wäre, ginge die Last auf die Umma über; somit würde alles, was für solche Projekte an Finanzmitteln benötigt wird, von der Umma eingesammelt, um die Kosten zu decken, und dann würde der Staatsschatz diese Projekte finanzieren. Dies gilt, weil jede Ausgabe im Sinne des öffentlichen Wohls ohne Gegenleistung, deren Unterlassung Not verursachen würde, eine bindende Ausgabe ist, unabhängig davon, ob Mittel vorhanden sind oder nicht. Steht dem Staatsschatz Geld zur Verfügung, wird es zur Pflicht des Staates, für diese Einrichtungen zu verausgaben, und die Pflicht entfällt für die Muslime; wenn es aber nicht verfügbar ist, liegt es an ihnen, es dem Staatsschatz zur Verfügung zu stellen, und folglich wird es zu einer verpflichtenden Ausgabe für den Staatsschatz.
4. The expenditures that are due on the Treasury, and whose payments are due by way of “Maslaha” i.e. welfare and “Irfaq” i.e. public utilities, however without recompense; in other words the payments are spent on a host of utilities without any returns or revenues, such as roads, water services, mosques, schools, hospitals and any other similar utility whose availability is considered a necessity and whose non availability would cause hardship to the Ummah. Hence, the payment for these utilities is not subject to availability of funds. Rather they are an obligatory liability regardless of availability or scarcity. So, if the cash were available to the Treasury, it should be then spent on these utilities; and if it were not available in the Treasury, the onus would be shifted to the Ummah; thus whatever is required for such projects in terms of finance would be collected from the Ummah in order to meet the costs, then the Treasury would spend on these projects. This is because any expenditure by way of welfare and without a return, and whose non-payment would cause a hardship would be a binding expenditure whether the funds are available or not. If the cash was available to the Treasury, it becomes a duty upon the State to spend on these utilities and the duty would be waived off the Muslims, But if it was not available, then the onus would be on them to provide it for the Treasury and consequently it becomes a compulsory expenditure on the Treasury.
5. Die Ausgaben, die dem Staatsschatz (Bait al-Mal) obliegen und deren Zahlung aufgrund von „Maslaha“, also des Gemeinwohls, und „Irfaq“, also öffentlicher Einrichtungen, erfolgt, und zwar ohne Gegenleistung; deren Fehlen würde jedoch der Umma keine Not bereiten, etwa der Bau einer weiteren Straße, obwohl bereits eine Straße besteht, oder der Bau eines Krankenhauses, obwohl ein anderes vorhanden ist und eine ausreichende Versorgung leisten kann, oder der Bau einer Straße, für die die Menschen in der Nähe eine alternative Straße finden können, oder etwas Ähnliches. In diesem Fall wären die Ausgaben für solche Projekte nur im Rahmen der verfügbaren Mittel zu tätigen. Wenn dem Staatsschatz also Mittel zur Verfügung stünden, sollten diese für solche Projekte verwendet werden; andernfalls entfiele die Pflicht des Staatsschatzes zu solchen Ausgaben, und die Muslime wären nicht verpflichtet, die Kosten solcher Projekte zu tragen, denn im Wesen sind sie den Muslimen nicht verpflichtend auferlegt.
5. The expenditures that are due upon the Treasury, and whose payments are due by way of “Maslaha” i.e. welfare and “Irfaq” i.e. public utilities, and without recompense; however, the scarcity of which would not cause hardship to the Ummah, such as the building of another road while a road exists, or the building of a hospital while another exists and is capable of providing adequate service, or the building of a road for which people can find an alternative road nearby or anything similar. In this case, the spending on such projects would be subject to availability only. Hence, if the funds were available to the Treasury, they should then be spent on such projects; otherwise, the duty of such expenditure on the Treasury would be waived and the Muslims would not be obliged to meet the costs of such projects, because in essence, they are not obligatory upon the Muslims.
6. Die Ausgaben, die der Staatskasse im Notfall obliegen, etwa bei Hungersnot, Überschwemmung, Erdbeben oder einem Angriff durch einen Feind. Die Zahlung solcher Ausgaben hängt nicht von der Verfügbarkeit ab; vielmehr obliegt es dem Staat, diese Gelder unabhängig davon bereitzustellen, ob sie vorhanden oder knapp sind. Ist Bargeld vorhanden, muss es sofort gezahlt werden. Ist keines vorhanden, geht die Pflicht auf die Muslime über: In diesem Fall sind die Gelder unverzüglich von den Muslimen zu erheben und in der Staatskasse zu hinterlegen, um sie für diese Zwecke auszugeben. Wenn zu befürchten ist, dass die Verzögerung bei der Erhebung der Gelder zu Not führen könnte, muss der Staat in diesem Fall das nötige Geld leihen und der Staatskasse zur Verfügung stellen, dann sofort an die Berechtigten auszahlen und die Schuld später aus dem begleichen, was er bei den Muslimen einzieht.
6. The expenditures that are due upon the Treasury by way of emergency, such as famine, flood, earthquake or attack by an enemy. The payment of such expenditure is not subject to availability; rather the onus is upon the State to provide such money regardless of availability or scarcity. If the cash is available, it should be paid immediately, and if it was not, then the obligation would shift to the Muslims; in this case the money should be levied from the Muslims at once and it should be placed in the Treasury in order to spend on them. If it was feared that a delay in levying the money could cause hardship, the State must in this case borrow the necessary money and place it at the disposal of the Treasury, then pay out the money at once to those eligible and pay off the debt from what it collects from the Muslims later.