10.4.5 Das Beweisrecht
10.4.5 The Law of Evidence
Es gibt verschiedene Wege, auf denen die Begehung eines Verbrechens vor Gericht nachgewiesen werden kann, doch sind diese nur auf jene beschränkt, die eindeutige Schuld feststellen können. So reichen Indizien wie Fingerabdrücke an einer Mordwaffe für sich allein nicht aus, um hundertprozentige Gewissheit über die Schuld des Eigentümers der Fingerabdrücke zu geben. Daher ist diese Art von Beweis allein vor dem islamischen Gericht nicht zulässig. Es gibt zwei Arten von Zeugenaussagen, die eindeutigen Beweis erbringen können:
There are various ways in which the perpetration of a crime can be proved in court, but these are restricted only to that which can ascertain definite guilt. For example, circumstantial evidence like fingerprints on a murder weapon are not in themselves sufficient to give 100% certainty of the guilt of the owner of the fingerprints. Therefore, this kind of evidence alone is unacceptable in the Islamic court. There are two types of testimony which can confer definite proof :
1) Augenzeugenaussage (shahada): Die Aussage einer Person, die ein Verbrechen tatsächlich mit eigenen Augen gesehen hat, gilt als gültiger Beweis. Dies gilt jedoch nur in den Fällen, in denen die Glaubwürdigkeit des Zeugen erwiesen ist. Es gibt ein besonderes Gericht, dessen Aufgabe es ist, den Charakter, das Gedächtnis, die Intelligenz usw. jedes vorgeführten Zeugen zu überprüfen.
1) Eye-Witness Testimony (shahada) : The testimony of someone who has actually seen a crime occurring is a valid evidence. However, this is only applicable in the cases where the trustworthiness of the witness is proven. There is a special court whose purpose is to verify the character, memory, intelligence etc. of any witnesses who are brought forward.
Ein Beispiel dafür ist der Fall der Unzucht (Zina), bei der die Aussage von vier Augenzeugen erforderlich ist, um das Verbrechen zu beweisen. Allah (SWT) sagt:
An example of this is in the case of adultery (zina) where the testimony of four eye witnesses are required to prove the crime. Allah (swt) says,.
„Und diejenigen eurer Frauen, die Unzucht begehen, dafür sollt ihr vier Zeugen von euch gegen sie anrufen.“ {Sure 4:15}
“As for those of your women who are guilty of lewdness, call to witness four of you against them.” [TMQ 4:15].
Wenn einer der Zeugen keine bestätigende Aussage beibringt oder wer die Tat anzeigt nicht vier Zeugen stellen kann, dann wird er mit der Strafe für Qadhf (falsche Beschuldigung) belegt.
If any of the witnesses fails to bring corroborating testimony, or someone who accuses the crime cannot provide four witnesses, then they will be subject to punishment of qadhf (false accusation).
2) Geständnis (iqrar): Es besteht Einigkeit darüber, dass das Geständnis des Täters für die Feststellung der Schuld ausreicht und dass auf Grundlage seines Geständnisses die entsprechende Strafe verhängt werden kann.
2) Confession (iqrar) : It is agreed that the criminal’s confession is sufficient for the establishment of guilt and that, on the basis of his or her confession, the appropriate punishment can be inflicted.
Abu Daud überlieferte: „Eine Frau aus dem Stamm der Ghamid kam zum Propheten ﷺ und sagte: ‚Ich habe eine strafbare Unzucht begangen.' Er erwiderte: ‚Geh zurück.' Sie kehrte dann zurück und kam am nächsten Tag wieder zu ihm und sagte: ‚Vielleicht willst du mich zurückschicken, so wie du es bei Ma'iz ibn Malik getan hast. Ich schwöre bei Allah, dass ich schwanger bin.' Er sagte zu ihr: ‚Geh zurück.' Sie kehrte am nächsten Tag zu ihm zurück. Er sagte: ‚Geh zurück, bis du das Kind geboren hast.' Sie ging. Als sie das Kind geboren hatte, brachte sie es zu ihm und sagte: ‚Hier ist er! Ich habe ihn geboren.' Er sagte: ‚Geh zurück und stille ihn, bis du ihn entwöhnst.' Als sie ihn entwöhnt hatte, brachte sie den Jungen zu ihm, und in seiner Hand war etwas, das er aß. Der Junge wurde dann einem bestimmten Mann der Muslime übergeben, und der Prophet ﷺ gab Anweisung bezüglich ihrer. So wurde für sie eine Grube ausgehoben, und er gab Befehl über sie, und sie wurde gesteinigt. Chalid gehörte zu denen, die Steine auf sie warfen. Er warf einen Stein auf sie. Als ein Tropfen ihres Blutes auf seine Wange fiel, beschimpfte er sie. Muhammad ﷺ sagte zu ihm: ‚Sachte, Chalid. Bei Dem, in Dessen Hand meine Seele ist, sie hat so aufrichtig bereut, dass, wenn einer, der sich ungerechterweise etwas nimmt, in gleichem Maße bereuen würde, ihm vergeben würde.' Dann gab er Anweisung bezüglich ihrer, betete über ihr, und sie wurde begraben."
Abu Daud narrated that : “A woman of Ghamid came to the Prophet (saw) and said, ‘I have committed a punishable sexual act.’ He replied, ‘Go back.’ She then returned and on the next day came to him again and said, ‘Perhaps you want to send me back as you did to Ma‘az ibn Malik. I swear by Allah that I am pregnant.’ He said to her, ‘Go back.’ She returned to him the next day. He said, ‘Go back until you give birth to the child.’ She left. When she gave birth to the child she brought the child to him, and said, ‘Here he is! I have given birth to it.’ He said, ‘Go back and suckle him until you wean him.’ When she had weaned him, she brought the boy to him with something in his hand which he was eating. The boy was then given to a certain man of the Muslims and the Prophet (saw) commanded regarding her. So a pit was dug for her, and he gave orders about her and she was stoned to death. Khalid was one of those who were throwing stones at her. He threw a stone at her. When a drop of her blood fell on his cheek, he abused her. Muhammad (saw) said to him, ‘Gently Khalid. By Him in Whose hand is my soul, she has repented to such an extent that if one who wrongfully takes an extra were to repent to a like extent, he would be forgiven.’ Then giving command regarding her, he prayed over her and she was buried.”.
Würde der Geständige sein Geständnis jedoch widerrufen, so würde die Strafe sofort eingestellt, da die Schuld nicht mehr eindeutig nachgewiesen werden könnte. Dasselbe würde gelten, wenn der Geständige beispielsweise während der Strafvollstreckung flieht oder zu protestieren beginnt.
If, however the confessor were to withdraw his or her confession, then the punishment would be stopped immediately, as guilt could no longer be definitely substantiated. This would also be the case if, for example, during the punishment the confessor ran away or began to protest.