9.11 Die Verträge, Geschäfte und Gerichtsurteile vor der Errichtung des Kalifats
9.11 The contracts, transactions and court verdicts before the establishment of the Khilafah
Die Verträge und Geschäfte, die vor der Errichtung des Kalifats abgeschlossen wurden, sowie die Urteile der Gerichte, die vor der Errichtung des Kalifats bestätigt und vollstreckt wurden, gelten zwischen ihren Parteien bis zum Abschluss ihrer Vollstreckung vor dem Kalifat als gültig. Die Justiz im Kalifat wird sie weder aufheben noch erneut verhandeln. Nach der Errichtung des Kalifats werden diesbezüglich keine neuen Klagen mehr angenommen.
The contracts and transactions that were concluded, together with the courts' verdicts that were confirmed and executed before the establishment of the Khilafah are considered valid between their parties till the end of their execution before the Khilafah. Judiciary in the Khilafah would not repeal them and nor start them again. No new lawsuits would be accepted regarding them after the establishment of the Khilafah. .
Zwei Fälle wären davon ausgenommen:
Two cases would be excluded of that: .
1. Wenn der Fall, der bestätigt wurde und dessen Vollstreckung abgeschlossen ist, weiterhin eine fortdauernde Wirkung hat, die dem Islam widerspricht.
1. If the case that was confirmed and its execution was finished still have a continuous effect that contradicts Islam. .
2. Wenn der Fall eine Person betrifft, die dem Islam und den Muslimen geschadet hat.
2. If the case relates to somebody that hurt Islam and Muslims.
Der Beweis dafür, dass die Verträge, Transaktionen und Rechtsstreitigkeiten, die bestätigt waren und deren Umsetzung vor der Errichtung des Kalifats abgeschlossen war, nicht aufgehoben werden und auch nicht außerhalb der oben genannten zwei Fälle erneut aufgegriffen werden, ist, dass der Gesandte Allahs ﷺ nach der Eroberung Makkas nicht in sein Haus zurückkehrte, aus dem er ausgewandert war. Uqayl ibn Abi Talib hatte gemäß den Gesetzen der Quraisch die Häuser seiner Verwandten geerbt, die den Islam angenommen und ausgewandert waren.
The evidence for not repealing the contracts, transactions and lawsuits that were confirmed and whose implementation finished before the establishment of the Khilafah, and nor raising them again in other than the above mentioned two cases is that the Messenger (PBUH) did not return back after the conquest of Makkah to his house from which he emigrated. Uqayl ibn Abi Talib had, according to the laws of Quraish, inherited the houses of his relatives that embraced Islam and emigrated.
Er hatte sie veräußert und verkauft, einschließlich des Hauses des Gesandten Allahs ﷺ. Damals wurde dem Gesandten ﷺ gesagt: „In welchem Haus wirst du wohnen?“ Er ﷺ sagte: „Hat Uqayl uns eines unserer Häuser überlassen?“ [Bukhari, Sahih, Nr. 3058]. In einer anderen Überlieferung sagte er: „Hat Uqayl uns irgendein Haus hinterlassen?“ Er hatte dann die Häuser des Gesandten Allahs ﷺ verkauft, doch der Gesandte ﷺ hob die Verkäufe nicht auf. Der Hadith wird von Al-Bukhari über Usama ibn Zayd überliefert; er sagte: „Er sagte am Tag der Eroberung: ‚O Gesandter Allahs, wo willst du morgen wohnen?‘ Der Prophet ﷺ sagte: ‚Hat Uqayl uns irgendein Haus hinterlassen?‘“ [Bukhari, Sahih, Nr. 3058].
He had disposed of them and sold them, including the house of the Messenger of Allah (PBUH). It was said at that time to the Messenger (PBUH):. "In which house are you going to stay?" He (PBUH) said: "Has Uqayl left any of our houses?" [Bukhari, Sahih, #3058]. In another narration, he said: "Did Uqayl leave to us any house?" He had then sold the houses of the Messenger of Allah (PBUH), but the Messenger (PBUH) did not repeal them. The hadith is reported by Al-Bukhari through Usama ibn Zayd, he said: "That he said on the day of the conquest, ‘O Messenger of Allah, where do you want to stay tomorrow?’ The Prophet (PBUH) said, ‘Did Uqayl leave us any house?’" [Bukhari, Sahih, #3058] .
Es wird auch überliefert, dass Abu Al-‘As ibn Al-Rabi' den Islam annahm und nach Al-Madinah auswanderte, während seine Frau Zainab bereits den Islam angenommen und nach Badr ausgewandert war; er selbst blieb als Mushrik in Makkah. Der Gesandte Allahs ﷺ gab ihm seine Frau zurück, ohne den Ehevertrag mit ihm zu erneuern. Dies war die Anerkennung des in der Zeit der Unwissenheit (Jahiliyyah) geschlossenen Ehevertrags. Ibn Madscha überlieferte durch Ibn ‘Abbas (ra): „Dass der Gesandte Allahs ﷺ seine Tochter, d. h. Zainab, nach zwei Jahren aufgrund ihres ersten Ehevertrags an Abu Al-‘As ibn Al-Rabi' zurückschickte." [Tirmidhi, Sunan, #1142].
It was also narrated that when Abu Al-‘As ibn Al-Rabi' embraced Islam and emigrated to Al-Madinah, his wife Zainab had then embraced Islam and emigrated after Badr, while he remained Mushrik in Makkah, the Messenger of Allah (PBUH) returned to him his wife, without renewing her marriage contract to him. This was recognition of the marriage contract concluded at Jahiliyyah time. Ibn Majah reported through Ibn Abbas (ra): "That the Messenger of Allah (PBUH) sent back his daughter, i.e. Zainab to Abu Al-‘As ibn Al-Rabi' after two years based on her first marriage contract". [Tirmidhi, Sunan, #1142] .
Hinsichtlich der Aufhebung von Rechtsverhältnissen mit fortdauernder Wirkung, die dem Islam widersprechen, hat der Gesandte (Allahs Segen und Heil auf ihm) den Zins, der Abbas bei den Menschen verblieben war, nachdem sie in den Islamischen Staat gekommen waren, aufgehoben und ihnen nur ihr eigentliches Kapital zurückgegeben. Das bedeutet, dass nach dem Dar al-Islam der ihnen verbliebene Zins zu aufgehobenem Zins würde. Abu Dawud überlieferte über Suleiman ibn Amru von seinem Vater, er sagte: .
With regard to raising the lawsuits that have continuous effect contradictory to Islam, the Messenger (PBUH) had cancelled the usury left to Abbas on the people after they came to the Islamic State, and only gave their actual capital. This means after dar ul-Islam, the usury left upon them would become cancelled usury. Abu Dawud narrated through Suleiman ibn Amru from his father, he said: .
„Ich hörte den Gesandten Allahs ﷺ auf der Abschiedspilgerfahrt sagen: .
"I heard the Messenger of Allah (PBUH) say in the farewell pilgrimage: .
„Siehe! Jeder Zins aus der Zeit der Jahiliyyah ist aufgehoben. Ihr habt nur Anspruch auf euer Kapital, wobei ihr weder (anderen) Unrecht tut noch selbst Unrecht erleidet."
"Behold! Any usury from the days of Jahiliyyah is cancelled. You are only entitled of your capitals, where you do not wrong (others) and nor are you wronged." .
Außerdem waren diejenigen, die nach den Gesetzen der Dschahiliyya mit mehr als vier Frauen verheiratet waren, nach dem Eintritt in Dar al-Islam verpflichtet, nur vier davon zu behalten. At-Tirmidhi überlieferte über Abdullah ibn ʿUmar, dass Ghaylan ibn Salamah Ath-Thaqafi zur Zeit der Dschahiliyya den Islam annahm, während er zehn Frauen hatte, und dass sie zusammen mit ihm den Islam annahmen.
Moreover, those who were married to more than four wives according to the laws of Jahiliyyah were obliged after dar ul-Islam to hold to four only. Al- Tirmidhi reported through Abdullah ibn ‘Umar that Ghaylan ibn Salamah Al- Thaqafi embraced Islam while having ten wives in Jahiliyyah, and they embraced Islam together with him. .
Der Prophet ﷺ befahl ihm, vier von ihnen zu wählen. Daher werden Verträge mit fortdauernder Wirkung, die dem Islam widersprechen, nach der Errichtung des Kalifats aufgehoben. Diese Aufhebung ist verpflichtend. Wenn beispielsweise eine muslimische Frau vor dem Islam mit einem Christen verheiratet war, dann wird dieser Vertrag nach der Errichtung des Kalifats gemäß den Regeln der Scharia aufgehoben.
"The Prophet (PBUH) commanded him to choose four of them.". Therefore, the contracts that have continuous effect contradictory to Islam, such effects are removed after the establishment of the Khilafah. This removal is obligatory. If for example a Muslim woman was married to a Christian before Islam, then after the establishment of the Khilafah this contract is cancelled in accordance with the rules of shara. .
In Bezug auf das Anstrengen von Klagen gegen diejenigen, die dem Islam und den Muslimen Schaden zugefügt haben, ist dies erlaubt, denn der Gesandte (Friede sei mit ihm) erklärte bei der Eroberung Makkas das Blut einiger Menschen für straflos vergossen, da sie den Islam und die Muslime in der Dschahiliyya geschädigt hatten. Er verlangte, dass ihr Blut vergossen werde, selbst wenn sie sich an den Vorhängen der Ka'ba aufhängen sollten. Dies geschah, obwohl der Gesandte Allahs ﷺ sagte: „Der Islam tilgt, was vor ihm war“, überliefert von Ahmad und At-Tabarani von Amr ibn Al-As. Das bedeutet, dass diejenigen, die dem Islam und den Muslimen geschadet haben, von diesem Hadith ausgenommen sind. Da der Gesandte ﷺ einigen von ihnen später vergab, wie etwa Ikrima ibn Abu Jahl, ist es dem Kalifen daher erlaubt, gegen diese eine Klage anzustrengen oder ihnen zu vergeben. Dies gilt für diejenigen, die Muslime dafür gefoltert haben, dass sie die Wahrheit sagten, oder für diejenigen, die den Islam verunglimpften. Der Hadith: „Der Islam tilgt, was vor ihm war“ [Ahmad, Musnad, 4/199] findet auf sie keine Anwendung, denn sie sind davon ausgenommen, und gegen sie wird gemäß der Ansicht des Kalifen eine Klage angestrengt. In anderen als diesen beiden Fällen werden die Verträge, die vor der Errichtung des Kalifats geschlossen wurden, zusammen mit den Transaktionen und Klagen weder aufgehoben noch neu angestrengt, solange sie bestätigt waren und ihre Umsetzung vor der Errichtung des Kalifats abgeschlossen war. Wenn beispielsweise ein Mann zu zwei Jahren Haft verurteilt wurde, weil er die Türen einer Schule aufgebrochen hatte, und er diese zwei Jahre vor der Errichtung des Kalifats verbüßte und das Gefängnis verließ, dann aber nach der Errichtung des Kalifats eine Klage gegen denjenigen anstrengen will, der ihn für diese Tat inhaftieren ließ, weil er meint, er habe die Haft nicht verdient, so wird eine solche Klage nicht angenommen, denn es geschah, es wurde ein Urteil dafür gefällt, und dessen Vollstreckung war vor der Errichtung des Kalifats abgeschlossen. Er muss diese Angelegenheit Allah (S.W.) überlassen. ...in der Erwartung der Belohnung von Ihm (S.W.T.). Wenn jedoch dieser Mann zu zehn Jahren verurteilt wurde, von denen zwei bereits verbüßt waren, und das Kalifat errichtet wurde, dann darf der Khalifah in diesem Fall den Fall prüfen, und zwar entweder indem er das Strafurteil von Grund auf aufhebt, sodass er als von der Anklage befreit aus dem Gefängnis entlassen wird, oder indem er sich mit der bereits verbüßten Zeit begnügt, sodass er aus dem Gefängnis entlassen wird. Ebenso ist es möglich, die verbleibende Zeit des Urteils zu prüfen, unter Berücksichtigung der einschlägigen göttlichen Regeln und des Interesses der Bürger, insbesondere der Fragen, die die Rechte der Menschen betreffen, so dass dies den Zwist beseitigt.
In regards to starting lawsuits related to those who harmed Islam and the Muslims, this is permitted because the Messenger (PBUH), when he conquered Makkah declared the blood of some people to be shed with impunity as they used to harm Islam and Muslims in Jahiliyyah. He asked that their blood be shed even if they hung themselves to the curtains of the Ka’bah. This is despite the Messenger of Allah (PBUH) saying: "Islam removes that which comes before it", as narrated by Ahmad and Tabarani from Amr ibn Al-As. This means the one that harmed Islam and Muslims are excluded from this hadith.. Since the Messenger (PBUH) forgave some of them later on, such as his forgiving to Ikrimah ibn Abu Jahl, therefore the Khalifah is allowed to start a lawsuit against these or forgive them. This applies to those who used to torture Muslims for saying the truth or those who defamed Islam. The hadith: "Islam removes that which comes before it", [Ahmad, Musnad, 4/199] does not apply to them, for they are excluded of it, and a case is started against them according to the view of the Khalifah.. In other than these two cases the contracts concluded before the establishment of the Khilafah, together with the transactions and lawsuits are not cancelled and nor started as long as they were confirmed and their implementation finished before the establishment of the Khilafah.. Thus, if a man for example was sentenced with two years of imprisonment for a charge of breaking the doors of a school, and he finished the two years before the establishment of the Khilafah and he left the prison. Then after the establishment of the Khilafah he wanted to start a case against the one that imprisoned him for that charge because he views that he did not deserve imprisonment. Such a case is not accepted, because it happened, and a sentence was given for it and its implementation finished before the establishment of the Khilafah. He has to refer this matter to Allah (S.W.T), anticipating reward from Him (S.W.T).. If however, this man was sentenced for ten years, of which two had finished, and the Khilafah was established; in this case the Khalifah is allowed to examine the case, either by cancelling the sentence of punishment from its origin, thus letting him come out of the prison as free of the charge, or to be satisfied with the period he already spent, and he comes out of the prison. It is also possible to study the remaining time of the sentence taking into consideration the relevant divine rules and the interest of the citizens, particularly the issues related to the rights of the people, such that it removes the discord.