2.4.2.1 Eigentumsverhältnisse
2.4.2.1 Property Ownership
Vielleicht das herausragendste Merkmal politischer Ökonomien ist jenes, das die Eigentumsverhältnisse in einer Gesellschaft bestimmt. Das Privateigentum gilt als das kennzeichnende Merkmal des Kapitalismus. Das öffentliche Eigentum an den Produktionsmitteln ist das Hauptmerkmal des Sozialismus. Die islamische politische Ökonomie erkennt drei Eigentumsformen an, nämlich das Privateigentum, das Gemeineigentum und das Staatseigentum. Der Geltungsbereich jeder dieser Eigentumsformen ist klar und ausschließlich festgelegt.
Perhaps the most outstanding feature of political economies is that which defines property ownership in the society. Private ownership was recognized as the distinctive feature of capitalism. Public ownership of the means of production is the main characteristic of socialism. The Islamic political economy recognizes three forms of ownership, namely, the private ownership, the public ownership, and the state ownership. The scope of each of these forms of ownership is exclusively defined.
Bevor wir diese Eigentumsformen erläutern, ist festzuhalten, dass weder der Sozialismus noch der Kapitalismus ihre jeweiligen Eigentumsdefinitionen ausschließlich durchhalten konnten. Die sozialistischen Machthaber in der Sowjetunion sahen sich gezwungen, ihre strenge Auffassung des öffentlichen Eigentums zu lockern und das Tor für begrenztes Privateigentum zu öffnen, insbesondere in der Landwirtschaft. Ebenso haben die chinesischen Sozialisten auch in der verarbeitenden Industrie ein begrenztes Privateigentum zugelassen. Innerhalb der kapitalistischen Welt ist die Verstaatlichung von Privateigentum aus unterschiedlichen Gründen mehr als üblich. Die staatliche Übernahme von Banken, Versicherungsgesellschaften und Automobilindustrien in den Vereinigten Staaten und einigen europäischen Ländern ist zu einer akzeptierten Reaktion auf Finanzkrisen und wirtschaftliche Probleme geworden. Der Umfang des Eigentums in einer Welt, die von den Ideen des Sozialismus und des Kapitalismus geprägt ist, lässt sich so veranschaulichen, wie es das Diagramm in Abbildung 31 zeigt. Staatliche Wirtschaftssysteme, die auf Privateigentum beruhen, fügen am Ende öffentliches Eigentum zu ihren Systemen hinzu; jene mit öffentlichem Eigentum fügen am Ende privates Eigentum hinzu.
Before proceeding to explain these forms of ownership, it should be noted that neither socialism nor capitalism was able to exclusively stand by their definitions of ownership. The socialist rulers in the Soviet Union were forced to relax their strict view of public ownership and open the door for limited private ownership, especially in the farming industry. By the same token, the Chinese socialists have also allowed a limited private ownership in the manufacturing industry. Within the world of capitalism, nationalization of private property for different reasons is more than common. The government takeover of banks, insurance companies, and auto industries in the United States and some European countries has become an acceptable response to financial crisis and economic problems. The scope of property ownership in a world dominated by the ideas of socialism and capitalism can be visualized as shown in the diagram in figure 31. State economies based on private ownership end up adding public ownership to their systems; those with public property ownerships end up adding private ownerships.
In der Praxis zeigt dies, dass optimale und stabile politische Ökonomien diejenigen sind, die mehr als eine Form des Eigentums einsetzen. Die richtige Mischung der Eigentumsformen und der Umfang dessen, was als privates und was als öffentliches Eigentum gilt, lassen sich nicht durch einen Prozess von Versuch und Irrtum sowie durch Abwarten gewinnen. Diese Mischung sollte formal genauer bestimmt werden, damit die daraus entstehende politische Ökonomie stabil sein kann und zu den gewünschten Zielen führt, nämlich der Überwindung von Armut und Hunger.
Practically this shows that optimal and stable political economies are the ones that deploy more than one form of ownership. The proper mix of ownerships and the scope of what constitute a private and what makes a public ownership cannot be obtained through a trial-and-error, wait-and-see kind of process. This mix should be more formally defined so that the resulting political economy can be a stable one and can lead to the desired objectives of resolving poverty and hunger.

Was die richtige Mischung der Eigentumsformen bestimmt, ist die Art und Weise, wie die Gesellschaft gebildet und von verschiedenen Ideologien betrachtet wird. Wird die Gesellschaft als eine Gruppe von Individuen aufgefasst, so liegt es nahe, das Privateigentum der Einzelnen zu betonen und andere Eigentumsformen teilweise oder vollständig auszuschließen. Wird die Gesellschaft hingegen als eine einzige materielle Einheit betrachtet, in der die Individuen nur als Teile des Ganzen gelten, so liegt es nahe, das Kollektiveigentum in der Gesellschaft zu betonen. Wird die Gesellschaft jedoch als ein Gefüge aus verschiedenen und voneinander unabhängigen Bestandteilen verstanden, so werden sich die Eigentumsformen entsprechend der Vielfalt dieser Bestandteile unterscheiden.
What defines the proper mix of ownerships is the way the society is formed and viewed by different ideologies. If the society is perceived as being as a group of individuals, then it is natural to emphasize the private ownerships of individuals and to partially or completely exclude other ownerships. If the society is perceived to be as a single material unit with individuals being only as parts of the whole unit, then it is natural to emphasize the collective ownership in the society. However, if the society is perceived as a structure composed of distinct and independent components, then property ownerships will diverse according to the diversity of its components.
Die islamische Sicht der Gesellschaft besagt, dass die Gesellschaft aus drei deutlich unterscheidbaren Bestandteilen besteht. Jeder hat seine besonderen Bedürfnisse, die sich von denen der anderen unterscheiden. Der erste dieser Bestandteile ist der einzelne Mensch, der bestimmte Instinkte und biologische Bedürfnisse besitzt, die ständig befriedigt werden müssen. Jeder Einzelne in der Gesellschaft hat seine eigenen Bedürfnisse nach Nahrung, Unterkunft, Gesundheit, Ruhe, Partnerschaft, Gottesdienst und Fortpflanzung. Um diese Bedürfnisse zu befriedigen, muss der Einzelne die Mittel und Werkzeuge besitzen, die für die Befriedigung jedes dieser Bedürfnisse notwendig sind. Wenn die Mittel und Werkzeuge einer Person gehören oder der Gemeinschaft insgesamt, gibt es keine Garantie, dass die Bedürfnisse eines anderen, der sie nicht besitzt, befriedigt werden. Wenn zum Beispiel John, Ali und Adam jeweils einen Laib Brot haben, Sam jedoch keinen, dann kann Sam hungern, während John, Ali und Adam satt sind. Genauso gilt: Wenn vier Laib Brot gemeinschaftlich John, Ali, Adam und Sam gehören, dann kann es ebenso geschehen, dass einer von ihnen hungert. Um die Befriedigung der grundlegenden Bedürfnisse des Einzelnen zu gewährleisten, muss der Einzelne in der Lage sein, die Güter und Werkzeuge zu besitzen, die zur Erfüllung dieser Bedürfnisse notwendig sind.
The Islamic view of society is such that the society has three distinct components. Each has its specific needs which are different form the needs of the other ones. The first of these components is the individual human being who possesses specific instincts and biological needs which need to be satisfied on a continuous basis. Each individual in the society has his own needs for food, shelter, health, rest, mating, worshiping, and breeding. In order to satisfy these needs, the individual must own the means and tools necessary to satisfy each of these needs. When the means and tools are owned by one person, or by the community at large, there will be no guarantee that the needs of another person who does not own them will be satisfied. For example, if John, Ali, and Adam each has a loaf of bread, but Sam does not have any, then Sam may go hungry while John, Ali, and Adam are full. By the same token, if four loaves of bread are collectively owned by John, Ali, Adam, and Sam, then it is possible that one of them can go hungry as well. To guarantee the satisfaction of the individual basic needs, the individual must be able to own the commodities and tools which are necessary to fulfill these needs.
Privateigentum
Private Ownership
In einer von der kapitalistischen Ideologie geprägten Welt ist das Privateigentum an Waren, Gütern und Produktionsmitteln die übliche Norm des Eigentums. Im Rahmen des Sozialismus hingegen gilt Privateigentum als etwas, das der Norm widerspricht. Als ich Mitte der 1970er Jahre in der Sowjetunion lebte, fiel es mir schwer, meinen Kollegen zu vermitteln, dass Privateigentum ein normales menschliches Verhalten ist. Es war nicht leicht, einer Religion wie dem Islam anzugehören, die das Privateigentum in dem Maße schützt, dass sie die härteste Strafe für das Verbrechen gegen das Privateigentum vorsieht. Meine Erfahrung in der kapitalistischen Welt war dagegen genau das Gegenteil: Privateigentum war die Regel, alles andere die Ausnahme.
In a world dominated by the capitalist ideology, the private ownership of commodities, goods, and means of production is the default norm of ownership. However, within the realm of socialism, private ownership is considered to be against the norm. When I lived in the Soviet Union in the mid-1970s, I had a hard time convincing my colleagues that private ownership was a normal human behavior. It was not easy to belong to a religion, like Islam, which protects private ownership to the extent that it invokes the harshest punishment against the crime against the private property ownership. My experience in the capitalist world was totally the opposite; private property was the norm, and anything else was the exception.
Anders als der Sozialismus erkennt der Islam die tiefste Wesensart des Menschen an, die das Streben nach Reichtum und nach den Mitteln zur Erzeugung von Reichtum verlangt. Doch unterscheidet er sich auch vom Kapitalismus insofern, als er den Umfang und den Bereich begrenzt, in dem Privateigentum zugelassen ist. Der Islam erlaubt es einem Einzelnen nicht, Dinge zu besitzen oder herzustellen, die im Islam als verbotene Güter gelten. So ist es nach dem Islam beispielsweise nicht erlaubt, Drogen, alkoholische Getränke oder ein Casino herzustellen oder zu besitzen. Ferner schränkt der Islam ein, dass Einzelpersonen Eigentum erwerben, das als öffentliches Eigentum gilt, etwa Ölfelder, Wälder oder Flüsse.
Unlike socialism, Islam recognizes the innermost characteristic of a human which calls for the acquisition of wealth and the means to produce wealth. But it also differs with capitalism in the sense that it restricts the scope and the range in which private ownership is allowed to operate. Islam does not allow an individual to own or produce things which are categorized as prohibited goods in Islam. For example, it is not allowed under Islam to produce or own drugs, alcoholic drinks, or a casino. Islam also restricts individuals from acquiring property which is considered to be a public property such as oil fields, forests, or rivers.
Im Wesentlichen erkennt der Islam die angeborene Natur des Menschen an und räumt ein, dass das Privateigentum eine natürliche Äußerung des menschlichen Überlebenstriebes ist. Zugleich erkennt er an, dass bestimmte Güter in den Händen der Allgemeinheit verbleiben sollten, um dem Ungleichgewicht vorzubeugen, das durch die unterschiedlichen Fähigkeiten einzelner Menschen, Reichtum zu erwerben, entsteht. Es ist nicht ungewöhnlich, dass manche Menschen in einer Gesellschaft mehr Fertigkeiten erwerben als andere, dass manche eine größere Motivation zur Vermehrung des Reichtums haben oder dass manche Menschen bestimmte Behinderungen oder Beeinträchtigungen haben, die sie daran hindern, genug Vermögen zu erwerben, um ihre Bedürfnisse zu decken. Verschiedene Umstände wie Kriege und innere Umwälzungen, Naturkatastrophen wie Erdbeben und Tsunamis, Sklaverei und Diskriminierung sowie politisches und wirtschaftliches Unrecht können ebenfalls dazu beitragen, dass manche Menschen beim Eigentum ins Hintertreffen geraten.
Menschliche Arbeit
Human Labor
Die menschliche Arbeit ist das erste und vornehmste Mittel der Vermögensbildung. Durch körperliche oder geistige Arbeit kann ein Mann oder eine Frau einen ursprünglichen Reichtum schaffen, der zu seinem oder ihrem Privateigentum wird, durch das Gesetz geschützt und vom Staat durchgesetzt. Es wird überliefert, dass der Prophet Muhammad ﷺ gesagt hat: „Wer ein totes Land bebaut, dem gehört es.“100 Diese Aussage des Propheten bezieht sich auf unbebautes Land, das nie zuvor in irgendeiner Form genutzt und von niemandem besessen wurde. Indem man ein Stück Land bestellt und es in ein nutzbares Stück für Landwirtschaft oder Entwicklung verwandelt, wird man zum alleinigen Eigentümer dieses Landes.
Human labor is the first and foremost means of wealth acquisition. Using physical or mental labor, a man or woman can create an original wealth which becomes his or her private property, protected by law and enforced by the state. It is reported that Prophet Mohammad (PBUH) had said, “Whoever cultivated a dead land, it becomes his.”100 This statement of the Prophet applies to bare land that has never been used in any form before and had not been owned by any people. By cultivating a piece of land and converting it into a useful piece for farming or development, one becomes the sole owner of the land.
Der Islam erlaubt dem Einzelnen auch, das zu besitzen, was er unter der Erde gewinnt, etwa Steine und Murmeln, aus dem Meer, etwa kostbare Perlen,101 oder aus der Luft, etwa Sauerstoff und Stickstoff. Eine Ausnahme bilden die Mineralien, die in großen Minen vorkommen, da bekanntermaßen diese Mineralien Eigentum der Allgemeinheit sind. Auf dieselbe Weise kann Reichtum durch die Jagd auf Vögel, Tiere, Fische und andere Meeresprodukte erworben werden. Der Koran sagt in der Sure Al-Mā'ida (Kapitel 5, Vers 96): „Erlaubt ist euch die Jagd auf dem Meer und ihr Genuss als Nahrung.“ An anderer Stelle spricht der Koran von der Jagd an Land als einem Mittel des Besitzerwerbs.102
Islam also allowed the individual to own what he can extract from beneath the ground such as stones and marbles, from the sea such as precious pearl,101 or from the air such as oxygen and nitrogen. An exception would be the minerals which exist in large mines since these minerals are known to be the property of the public. By the same token, wealth acquisition can be attained by hunting of birds, animals, fish, and other sea products. The Quran says in Surah Al-Mai’dah (chapter 5, verse 96), “Lawful to you is (the pursuit of) sea hunting and its use for food.” In another location, the Quran speaks of hunting on the land as a means of possession.102
Menschen können ihre geistige und körperliche Arbeit einsetzen, um rechtliche Geschäfte zwischen Handelspartnern zu vermitteln; dabei ist zu beachten, dass die Händler das ursprüngliche Vermögen besitzen, während der Vermittler mit seiner Arbeit einen Anteil an diesem Vermögen erwirbt. Ebenso können Menschen eine besondere Form der Partnerschaft eingehen, die „Mudharaba“ genannt wird. Bei dieser Form der Partnerschaft stellt die eine Partei das Geld zur Verfügung, während die andere Partei nur ihre Arbeit einbringt. Derjenige, der mit seiner Arbeit teilnimmt, schafft sich dadurch selbst Vermögen. Diese Art der Partnerschaft kann auch auf die Landwirtschaft ausgeweitet werden.
Erbschaft
Inheritance
Das zweite Mittel des Vermögenserwerbs ist das Erbe. Das Erbrecht im Islam ist ein klar geregelter Vorgang, durch den das Vermögen einer verstorbenen Person nach einer bestimmten Formel unter Kindern, Eltern, Ehegatten, Brüdern und Schwestern verteilt wird. Die islamischen Erbregeln sehen vor, dass das Vermögen nach dem Tod des Eigentümers aufgeteilt und verteilt werden kann. Im Prozess des wirtschaftlichen Wachstums ist es möglich, dass sich Vermögen während des Lebens in den Händen weniger Personen anhäuft. Die Erbregeln dienen dann dazu, dieser Tendenz entgegenzuwirken und zu bewirken, dass das Vermögen unter mehreren Personen wieder in Umlauf kommt. Es gibt drei verschiedene Fälle des Erbrechts im Islam:
The second means of wealth acquisition is inheritance. Inheritance in Islam is a well-defined process, whereby the wealth of a deceased person is distributed among the children, parents, spouses, brothers, and sisters according to a certain formula. Inheritance rules in Islam allow the wealth to be broken and distributed after the death of the wealth owner. It is possible in the process of economic growth for wealth to accumulate in the hands of a few individuals during their life. The rules of inheritance are then used to break this tendency and cause the wealth to be recycled among several individuals. There are three distinct cases of inheritance in Islam:
1. Der erste Fall ist, dass die Erben nach den Erbregeln die gesamte Erbschaft übernehmen, wodurch der gesamte Besitz unter ihnen verteilt wird.
1. The first case is when the inheritors take the whole inheritance according to the laws of inheritance, whereby all the wealth is distributed amongst them.
Der zweite Fall liegt vor, wenn die Erben nur Anspruch auf einen Teil des zweiten Erbes haben. Zum Beispiel hinterlässt der Verstorbene nur den Ehepartner (Ehemann oder Ehefrau). In diesen Fällen wird nur ein Viertel oder die Hälfte des Vermögens vererbt, während der restliche Teil des Erbes an den Staat fällt.
The second case is when the inheritors are entitled for part of the 2. inheritance only. For example, the deceased leaves behind only the spouse (husband or wife). In these cases only a quarter or half of the wealth is inherited, while the rest of the inheritance goes to the state.
Der dritte Fall ist, dass der Verstorbene keinen Erben hinterlässt; in diesem Fall fällt der gesamte Nachlass an den Staat.
The third case is when the deceased leaves no inheritor behind; in 3. this case the whole property goes to the state.
So wird der Reichtum aufgeteilt, und das Eigentum geht an die Erben über. Dadurch setzt sich der Austausch des Eigentums in einem wirtschaftlichen Kreislauf unter den Menschen fort. Das Eigentum verbleibt nicht in den Händen einer bestimmten Person, in der sich der Reichtum anhäuft. Die Erbschaft ist ein rechtliches Mittel des Eigentumserwerbs, daher besitzt jeder, der etwas erbt, es rechtmäßig. Somit ist die Erbschaft eines der Mittel des Eigentumserwerbs, das die islamische Scharia erlaubt hat.
Vermögen, das den Armen zur Verfügung gestellt wird
Wealth Provided to Poor
Trotz aller Maßnahmen zur Linderung der Armut in der Gesellschaft ist zu erwarten, dass aus unterschiedlichsten Gründen einige Menschen in Armut geraten. Um den Bedürfnissen dieser Menschen gerecht zu werden, hat der Islam dem Staat empfohlen, denjenigen, die aus eigener Kraft keine Arbeit finden konnten, eine geeignete Möglichkeit zur Beschäftigung zu bieten. Der Prophet ﷺ sagte: „Der Imam (das Staatsoberhaupt) ist ein Hirte, und er ist für seine Untertanen verantwortlich.“108 Durch Arbeit können Menschen ihre Arbeitskraft einsetzen, um Vermögen zu erwerben. Falls es aufgrund der Marktlage nicht möglich ist, eine Stelle zu finden, oder die Person aufgrund von Alter, Krankheit oder Behinderung nicht mehr arbeiten kann, wird ihre Unterstützung und ihr Lebensunterhalt zur Pflicht und Verantwortung ihrer nächsten Angehörigen, etwa der Söhne, des Vaters oder des Ehemannes, vorausgesetzt, dass diese Personen in der Lage sind, die erforderliche Unterstützung zu leisten. Dies wird in den Büchern der islamischen Rechtswissenschaft im Abschnitt „Nafaqah“ (Unterhalt) dargelegt.
Despite all measures taken to relieve the society from poverty, it is expected that some individuals will end up in a state of poverty for all types of reasons. In order to attend for the needs of these individuals, Islam recommended the state to provide a suitable opportunity for the employment of those who could not find employment on their own. The Prophet (PBUH) said, “The Imam (head of state) is a Shepard, and he is responsible for his subjects.”108 Employment enables individuals to use their labor to acquire wealth. In case it is not possible to find a job due to market conditions, or the person becomes unable to work due to age, sickness, or disability, then his support and sustenance becomes the duty and responsibility of his next of kin such as sons, father, and husband assuming that these parties are able to provide the required support. This is outlined in the books of Islamic jurisprudence under the section of “Nafaqah” (alimony).
Wenn die nächsten Verwandten den erforderlichen Unterhalt nicht aufbringen können, geht die Verantwortung an den Staat über. Der Staat verwendet dafür die verfügbaren Mittel aus den Erträgen der öffentlichen Güter sowie aus der Zakah. Die Zakah ist ein bestimmter Anteil am Vermögen der Reichen, der entnommen und an die Armen weitergegeben wird. In Sure Al-Ma'arij (Kapitel 70, Verse 24-25) und At-Tauba (Kapitel 9, Vers 103) sagt Allah:
If the immediate relatives are unable to maintain the required alimony, then responsibility is escalated up to the state. The state uses the funds available from the revenues of the public properties as well as from the Zakah. The Zakah is a specific amount of wealth taken out of the property of the rich and relayed to the poor. In Surah Al-Ma’arij (chapter 70, verse 24-25), and Al-Tauba (chapter 9, verse 103), Allah says,
Staatliche Zuschüsse
State Grants
Der islamische Staat darf Zuschüsse für Menschen in der Gesellschaft gewähren, um die Produktivität anzuregen und es den Menschen zu ermöglichen, ihr Geschäft bis zu einer gewinnbringenden Stufe auszubauen. Der Staat verwendet sowohl Staats- als auch Gemeingut, um Förderzuschüsse auszuzahlen. Es wird überliefert, dass der zweite Kalif Omar Ibn Al-Khattab den Bauern im Irak Fördergelder zur Verfügung stellte, damit sie ihre Felder bestellen konnten. Die Unterstützung erfolgte in Form eines staatlichen Zuschusses und nicht als Darlehen.
The Islamic state is allowed to provide grants for people in the society for the purpose of stimulating productivity and enabling people to grow their business to a profitable stage. The state uses both state as well as public property to issue stimulus grants. It is narrated that the second caliph Omar Bin Al-Khattab provided stimulus money for the farmers in Iraq to help them cultivate their farms. The help was in a form of state grant, rather than loans.
Es wird berichtet, dass der Prophet Muhammad ﷺ nach der Auswanderung nach Medina Land an Abu Bakr und Omar gab. Er gab außerdem ein Stück Land an Al-Zubair. Nach dem Tod des Propheten Muhammad ﷺ fuhren die Kalifen fort, Teile des öffentlichen Landes an verschiedene Personen zu vergeben, um ungenutztes brachliegendes Land nutzbar zu machen. Dabei ist zu beachten, dass der Staat für diese Landvergaben weder Steuergelder noch die Mittel der Zakah verwendet. Der Staat darf allein Mittel verwenden, die aus staatlichem oder öffentlichem Eigentum stammen.
Prophet Mohammad is reported to have given land for Abu Bakr and Omar after the migration to Medina. He also gave a piece of land to Al-Zubair. After the death of Mohammad (PBUH), the caliphs continued to give part of the public lands to various individuals in an attempt to utilize unused bare land. It should be noted that the state does not use tax money or the funds of the Zakah for the grants. The only fund the state is allowed to use is the one that comes from the state or public property.
Neben diesen Formen des Eigentumserwerbs gibt es weitere Möglichkeiten des Privateigentums, wie Schenkungen und Testamente Verstorbener. Der Prophet Muhammad ﷺ erlaubte das Schenken und nahm Geschenke sowohl von Muslimen als auch von Nichtmuslimen an. Ferner gestattete der Islam einem Muslim, einen Teil seines Vermögens in Form eines Testaments zu bestimmen, wobei die Empfänger eines Testaments nicht zu denjenigen gehören dürfen, die laut Gesetz erbberechtigt sind; außerdem darf der Betrag des Testaments nicht ein Drittel des gesamten Vermögens übersteigen.111
Besides these means of property acquisition, there are other means of private ownership such as gifts and wills of deceased. Prophet Mohammad permitted gift giving110 and he accepted gifts from both Muslims and non-Muslims. Also, Islam allowed a Muslim to designate part of his wealth in form of a will such that the recipients of a will should not be among those who are entitled for inheritance by law; also the amount of will should not exceed one-third of the total wealth.111
Öffentliches Eigentum
Public Property
Der Islam hat die Existenz der Öffentlichkeit als eigenständige Einheit anerkannt, die über eigene Bedürfnisse verfügt. Diese Bedürfnisse sind nicht die Summe der Bedürfnisse einzelner Menschen; daher kann die Befriedigung der öffentlichen Bedürfnisse nicht dadurch erreicht werden, dass die Bedürfnisse jedes Einzelnen befriedigt werden. Die Sicherheit der Allgemeinheit, die Unversehrtheit ihres Gebiets, die Sauberkeit und Reinheit ihrer Atmosphäre und Umwelt, der Zusammenhalt zwischen ihren Gliedern, der Schutz der Meere, Flüsse und Wasserreservoire sowie ihr Ansehen gegenüber anderen Nationen sind allesamt Bedürfnisse, die die Allgemeinheit als Ganze betreffen und nicht bestimmte Einzelpersonen. Um die Öffentlichkeit als eine Einheit in der Gesellschaft zu bewahren, hat der Islam bestimmte Arten von Eigentum definiert und als öffentliches Eigentum erklärt.
Islam recognized the existence of public as an entity which has its own needs. These needs are not the sum of the needs of individuals, and therefore the satisfaction of the public needs cannot be achieved by satisfying the needs of each individual. The security of the public, the integrity of its territory, the cleanness and purity of its atmosphere and environment, the solidarity among its units, the preservation of the seas, river, and water reservoirs, and its image in front of other nations are all needs which pertain to the public as a whole and not to specific individuals. In order to preserve the public as one unit in the society, Islam defined certain types of property and declared them as a public property.
Zum Bereich des öffentlichen Eigentums gehören Wasserquellen, Waldschutzgebiete und Energiequellen.113 Frühere nomadische Stammesgesellschaften zogen um und wechselten ihren Standort je nach Verfügbarkeit von Wasser und grünen Weiden für ihr Vieh. Sobald Wasserquellen versiegten oder unter die Herrschaft eines anderen Stammes gerieten, war der Stamm gezwungen, weiterzuziehen und einen Ort zu suchen, an dem Wasser reichlich vorhanden war. Dasselbe geschah, wenn die Wälder austrockneten und dem Vieh des Stammes weniger Nahrung boten. Da der Islam erkannte, dass Wasserquellen und Weiden für das Überleben der gesamten Gemeinschaft unentbehrlich sind, verkündete er, dass diese Ressourcen allen gehören sollen und nicht einer einzelnen Person. Gerieten diese Ressourcen in die Hände eines Einzelnen oder weniger, könnten die Einheit und der Zusammenhalt der Allgemeinheit gefährdet werden. Dasselbe gilt für Energiequellen. Frühere muslimische Gelehrte deuteten das Wort „Feuer“ in der Aussage des Propheten ﷺ als Feuerquelle wie Holz (in den älteren Gesellschaften). Heute bezeichnet „Feuer“ allgemeiner die Energieressourcen.
The category of public property includes water resources, forest preserves, and energy resources.113 Old tribal societies used to move and change their location based on the availability of water and green meadows for their cattle. Whenever water springs dry out or fall under the dominance of another tribe, the tribe would be forced to move and search for a location where water is plenty. The same happens when the forests dry out and leave less food for the cattle of the tribe. Realizing that water resources and meadows are essential for the survival of the whole group, Islam announced that these resources should be owned by all and not by any single individual. If these resources fall in the hands of one or few, then the integrity and unity of the public may be compromised. The same applies to energy sources. Earlier Muslims scholars interpreted the word “fire” in the statement of the Prophet to mean the source of fire like woods (in the older societies). Today “fire” refers more generally to energy resources.
Staatseigentum
State Property
Der Islam hat bestimmte Arten von Eigentum bestimmt, die direkt im Besitz des Staates sein sollen. Der wesentliche Unterschied zwischen Staatseigentum und öffentlichem Eigentum zeigt sich in der Art, wie die Erträge des Eigentums verwendet werden. Das öffentliche Eigentum wird vom Staat verwaltet, gehört aber nicht dem Staat. Der Staat darf die Erträge des öffentlichen Eigentums nur dann für die Aufgaben des Staates verwenden, wenn seine eigenen Einnahmen nicht ausreichen, um seinen Bedürfnissen gerecht zu werden. Das Staatseigentum hingegen gibt dem Staat die volle Befugnis, über seine Verwendung zu entscheiden, um seine eigenen Angelegenheiten und die Angelegenheiten der Bürger zu regeln.
Islam designated certain types of property to be owned directly by the state. The main difference between state and public property shows in the way the property revenues are used. The public property is administered by the state but not owned by the state. The state may use revenues of the public properties to spend on state’s functions only when the state own revenue falls short of meeting its needs. The state property, on the other hand, gives the state full authority to spend as it sees fit to conduct its affairs and the affairs of the citizens.
Während der gesamten Geschichte des islamischen Staates war die größte Einnahmequelle des Staates der Ertrag aus dem Grundbesitz, das sogenannte Kharaj-Land (die durch Krieg dem islamischen Staat angegliedertenLändereien). Kharaj bedeutet wörtlich Ertrag. Der Begriff kharaj ersetzte den Begriff fai'i, der für Land verwendet wurde, das ohne Kampf angegliedert wurde. Abu Obaid berichtete in seinem Buch Al-Amwal auf die Autorität von Az-Zuhri, dass der Prophet Muhammad ﷺ die Ländereien Bahrains nach ihrer Eroberung als Kharaj-Land betrachtete, auch nachdem die Menschen in Bahrain zum Islam übergetreten waren.116 Kharaj-Land ist definiert als Land, das dem Gebiet des islamischen Staates hinzugefügt wurde und dessen Eigentum dem Staat gehört. Der Staat gewährt das Recht, das Land zur Landwirtschaft oder Bebauung zu nutzen, im Austausch gegen eine im Voraus festgelegte Gebühr. Die Gebühr ist vom Nutzer des Landes zu entrichten, unabhängig davon, ob er aus dem Land Nutzen ziehen konnte oder nicht. Die Gebühr wird nicht als Gegenleistung für den Ertrag des Landes erhoben, sondern für das Recht, es zu nutzen. Ist der Nutzer des Landes ein Muslim, muss er dennoch den Zakah-Anteil der Erzeugnisse entrichten. Ist der Nutzer des Kharaj-Landes kein Muslim, muss er lediglich die Kharaj-Gebühr entrichten.
Throughout the history of the Islamic state, the largest source of income for the state has been the revenue generated from the property ownership of land called Kharaj (the lands annexed to the Islamic state through war). Kharaj literally means output. The term kharaj replaced the term fai’i, which was used for the land annexed without a fight. Abu Obaid narrated in his book Al-Amwal on the authority of Az-Zuhri that Prophet Mohammad (PBUH) considered the lands of Bahrain after its conquest a land of Kharaj even after the people in Bahrain had converted to Islam.116 Kharaj land is defined as a land added to the territory of the Islamic state and whose ownership belongs to the state. The state grants the right to use the land for farming or development in exchange for a predefined fee. The fee is due to be paid by the user of the land whether he was able to benefit from the land or not. The fee is not in exchange for the product of the land; it is in exchange for the right to use it. If the user of the land is a Muslim, he still has to pay the Zakah portion of the products. If the user of the Kharaj land is not a Muslim, he only has to pay the Kharaj fee.