33 Die Innenpolitik des Islamischen Staates
33 The Domestic Policy of the Islamic State
Die Innenpolitik des Islamischen Staates besteht darin, die Regeln des Islam im Inneren umzusetzen. Der Islamische Staat würde diese Regeln in dem Gebiet anwenden, das seiner Herrschaft unterstand. Er ordnete und überwachte die Beziehungen und Geschäfte, setzte die Hudud um, vollstreckte die Strafen, sorgte für die Durchsetzung hoher Moralvorstellungen, gewährleistete die Ausübung der islamischen Riten und Gottesdienste sowie die Versorgung der Angelegenheiten der Bürger nach den Regeln des Islam. Der Islam hat die Methode bestimmt, nach der seine Regeln gegenüber den Menschen umgesetzt werden sollen, die sich seiner Autorität unterwerfen, seien es Muslime oder Nicht-Muslime. Der Islamische Staat setzte die Regeln des Islam nach dieser bestimmten Methode um. Da die Methode selbst ein Hukm Schar'i ist, gilt dies ebenso für die Regeln bezüglich der Angelegenheiten. Der Islam kam, um alle Menschen anzusprechen, denn Allah (swt) richtete den Islam an die gesamte Menschheit als Menschen und nichts anderes. Allah (swt) sagt:
The domestic policy of the Islamic State is to execute the rules of Islam internally. The Islamic State would implement these rules in the land which were under its jurisdiction. It organized and supervised relationships and transactions, implemented the hudud, carried out punishments, enforced high morals, ensured the performance of the Islamic rituals and acts of worship, as well as looking after the citizens’ affairs according to the rules of Islam. Islam has determined the method by which its rules are to be implemented on the people who submit to its authority, whether Muslims or otherwise. The Islamic State implemented the rules of Islam following this specific method. Since, the method is by itself a Hukm Sharii, as well as the rules concerning the issues. Islam came to address all people, for Allah (swt) addressed all mankind with Islam as human beings and nothing else. Allah (swt) says,
„O ihr Menschen! Dient eurem Herrn (Allah), Der euch und jene, die vor euch waren, erschaffen hat, damit ihr Al-Muttaqun (die Gottesfürchtigen) werdet.“ [Al-Baqarah, 2:21].
“O Mankind! Worship your Lord (Allah), Who created you and those who were before you so that you may become Al-Muttaqun (the pious).” [Al- Baqarah, 2:21].
Er sagt außerdem,
He I also says,
„O Mensch! Was hat dich über deinen Herrn getäuscht, den Großzügigen?“ [Al-Infitar, 82:6].
“O man! What has made you careless concerning your Lord, the Most Generous?” [Al-Infitar, 82:6].
Die Gelehrten der Usul al-Fiqh (Grundlagen der Rechtswissenschaft) vertraten die Auffassung, dass sich die Shari'ah an jeden menschlichen Verstand richtet, der zum Verstehen fähig ist, sei er Muslim oder nicht. Imam al-Ghazali sagte in seinem Buch Al-Mustasfa fi al-Usul:
The scholars of Usul ul-Fiqh (foundation of jurisprudence) considered the Shari’yah as being addressed to every human mind capable of understanding, be it Muslim or not. Imam al-Ghazali said in his book Al-Mustasfa fi al- Usul,
Wahrlich, der Regierte muss eine im rechtlichen Sinne verantwortliche Person sein, unter der Bedingung, dass er bei klarem Verstand ist und die Ansprache des Gesetzgebers zu verstehen vermag. Was die Person dazu befähigt, zur Befolgung der Regeln verpflichtet zu sein, ist ihre menschliche Natur, die es ihr ermöglicht, die geistige Fähigkeit aufzunehmen, durch die sie die Gebote Allahs empfängt und versteht.
“Verily the governed must be a responsible person in a legal capacity, the condition being that he is sane and able to understand the address of the Legislator. What qualifies the person to be liable to observe the rules is his human nature which enables him to accommodate the mental capability by which he receives and understands the commandments of Allah.”.
Daher richtet sich der Islam an alle Menschen. Diese Ansprache hat die Form einer Einladung und einer Verpflichtung angenommen: Die erste soll die Menschen dazu einladen, den Islam anzunehmen, die letztere soll sie verpflichten, sich an seine Regeln zu halten. Dies gilt für die Menschen im Allgemeinen. Was diejenigen betrifft, über die der Islamstaat herrscht, betrachtet der Islam sie als eine Gruppe von Menschen, die dieser Herrschaft unterstehen, unabhängig von ihrer Konfession, Rasse oder Glaubensrichtung. Von ihnen wird lediglich die Treue gegenüber dem Staat und dem herrschenden System verlangt.
Therefore, all humans have been addressed by Islam. This address has taken the form of an invitation and an obligation, the first one being intended to invite people to embrace Islam and the latter intending to oblige people to adhere to its rules; this is regarding people in general. As for those whom the Islamic State rules over, Islam considers these as a group of humans who abide by that rule, regardless of their sect, race or creed. All that is required from them is simply allegiance to the State and the ruling system.
Ethnische Minderheiten existieren nicht, da alle Menschen aus einer humanistischen Sichtweise betrachtet werden und so lange Staatsbürger des Islamischen Staates sind, wie sie die Pflichten der Staatsbürgerschaft erfüllen. Jede Person, die die Staatsbürgerschaft des Staates besitzt, genießt die vollen Rechte, die die Scharia ihr zuspricht, unabhängig davon, ob sie Muslim ist oder nicht. Wer diese Staatsbürgerschaft nicht besitzt, ist dieser Rechte beraubt, selbst wenn er Muslim wäre. Wenn beispielsweise ein muslimischer Mann eine christliche Mutter hätte, die die islamische Staatsbürgerschaft besitzt, und einen Vater, der sie nicht besitzt, dann wäre seine Mutter berechtigt, von ihm Unterhalt zu erhalten, sein Vater hingegen nicht. Würde die Mutter diesen von ihm einfordern, würde der Richter zu ihren Gunsten entscheiden, da sie als Staatsbürgerin des Islamischen Staates gelten würde. Versuchte der Vater dasselbe, würde der Richter seinen Anspruch zurückweisen, weil er nicht als Staatsbürger gelten würde. Daher betrachtet die Scharia diejenigen, die vom Islam regiert werden, als Staatsbürger, und sie machte die Staatsbürgerschaft zu etwas, das sie alle gemeinsam besitzen und das sie berechtigt, die vom Islam vorgeschriebenen Rechte der Fürsorge und des Wohlergehens zu genießen, indem sie als Bürger im Islamischen Staat leben.
Ethnic minorities do not exist as all people are viewed from a humanistic point of view and are citizens of the Islamic State so long as they fulfill the duties of citizenship. Every person holding the citizenship of the State enjoys the full rights decreed for him by the Shari’ah, whether he is Muslim or not. Anyone not holding that citizenship is deprived of these rights, even if he were Muslim. For instance, if a Muslim man had a Christian mother who held the Islamic citizenship and a father who did not, then his mother would qualify to receive sustenance from him and his father would not. If the mother claimed it from him the judge would rule in her favor because she would be classified as a citizen of the Islamic State, whereas if the father attempted to do likewise the judge would reject his claim because he would not be classified as one of its citizens. Therefore, the Shari’ah considers those ruled by Islam as citizens and made the citizenship something which they all hold in common and which qualifies them to enjoy the rights of guardianship and welfare decreed by Islam by living in the Islamic State as citizens.
Dies betrifft ihre Stellung unter dem Gesichtspunkt von Herrschaft und Vormundschaft. Was die Anwendung der islamischen Gesetze betrifft, so wird dies unter rechtlichem und nicht unter religiösem Gesichtspunkt betrachtet. Das liegt daran, dass die Texte der Scharia unter rechtlichem Aspekt betrachtet werden sollen, und der Text wurde so bestimmt, dass er Probleme behandelt. Das Ziel des Gesetzgebers für uns ist, der Bedeutung und dem Inhalt zu folgen und nicht beim oberflächlichen Wortlaut des Textes stehenzubleiben. Daher wird die ʿIllah (Ursache) hinter der Regelung bei der Ableitung einer Vorschrift berücksichtigt. Mit anderen Worten: Bei der Betrachtung eines Urteils wird die gesetzgeberische Seite des Textes berücksichtigt. Dieses Urteil wird, wenn es vom Khalifen angenommen wird, zum Gesetz, und jeder ist daran gebunden und verpflichtet, es auszuführen.
This is regarding their position from a ruling and guardianship point of view. As for the application of the Islamic laws, this is considered from a legal point of view and not from a religious point of view. This is so, because the Shari’ah texts should be viewed from a legal aspect and the text has been decreed to deal with problems. The Legislator’s aim for us is to follow the meaning and the content and not to stop at the apparent meaning of the text. Therefore the ‘illah (reason) behind the ruling is taken into consideration when extracting a rule. In other words, it is the legislative side of the text that is taken into consideration when viewing a verdict. This verdict, if adopted by the Khaleefah, becomes law and everyone is obliged by it and to execute it.
Daher ist die Unterwerfung aller Menschen, die im Islamischen Staat leben, unter die Scharia endgültig und unwiderruflich. Für die Muslime ist es ihr Glaube und ihre Annahme des Islam, die sie verpflichten, alle seine Gesetze zu befolgen, denn die Unterwerfung unter den Glauben bedeutet die Unterwerfung unter alle Regeln, die aus dieser ‘Aqeedah hervorgehen. Daher verpflichtet sie ihre Annahme dieser ‘Aqeedah, allen Gesetzen, die von dieser ‘Aqeedah gebracht werden, unbedingt Folge zu leisten. Somit ist für die Muslime die Scharia der gesetzgebende Teil des Islam. Sie sind verpflichtet, alle seine Regeln umzusetzen, sei es jene, die ihr Verhältnis zu Allah betreffen, also Akte der ‘Ibadah (Gottesdienst), sei es jene, die ihr Verhältnis zu sich selbst betreffen, etwa ihre Moral und Ernährung, oder jene, die ihr Verhältnis zu anderen betreffen, welche Geschäfte und Strafen umfassen.
Therefore, the submission of all people living in the Islamic State to the Shari’yah is conclusive and irrevocable. For the Muslims, it is their belief and their embracing of Islam which covenants them to abide by all its laws because the submission to the belief means submission to all the rules which emanate from that ‘Aqeedah, so their embracing of that ‘Aqeedah obliges them to conclusively abide by all the laws brought by that ‘Aqeedah. Thus, for the Muslims, the Shari’ah is the legislative part of Islam. They are covenanted to carry out all of its rules, whether those related to their relationship with Allah, which are acts of ‘Ibadah (worship), or those related to their relationship with themselves, such as their morals and diet, or those related to their relationship with others, these being concerned with transactions and penalties.
Die Muslime sind durch die islamische ʿAqīda geeint und dadurch, dass der Koran und die Sunna Quellen der Scharīʿa sind, aus denen die Grundsätze und Urteile abgeleitet werden. Keiner von ihnen ist in dieser Frage überhaupt uneinig. Aufgrund des Ijtihād haben sie sich jedoch im Verständnis des Korans und der Sunna unterschieden, und infolge dieses Unterschieds entstanden verschiedene Denkschulen und Sekten. Das geschah, weil der Islam die Muslime zum Ijtihād ermutigte und weil es natürliche Unterschiede im Verstehen gibt. Daher entstanden Differenzen im Verständnis der ʿAqīda, der Gesetzgebung und der Methodik der Usūl al-Fiqh. Der Gesandte Allahs ﷺ hatte zum Ijtihād ermutigt und betont, dass der Mudschtahid (derjenige, der befähigt ist, Regeln abzuleiten), wenn er Ijtihād betreibt und dabei irrt, eine Belohnung erhält, und wenn er recht hat, seine Belohnung verdoppelt wird. Deshalb war es nie überraschend, die Sunniten, Schiiten, Muʿtazila und andere Richtungen zu finden. Ebensowenig war es überraschend, dass mehrere Madhāhib entstanden, etwa die schafiitische, die hanafitische, die malikitische, die hanbalitische, die dschaʿfaritische, die zaiditische und andere. All diese islamischen Richtungen und Madhāhib hielten an einer einzigen ʿAqīda fest, nämlich der islamischen ʿAqīda. Sie waren alle verpflichtet, die Gebote Allahs (SWT) zu befolgen und sich von Seinen Verboten fernzuhalten. Sie alle waren verpflichtet, sich an die Scharīʿa zu halten und nicht an ein bestimmtes Madhhab.
The Muslims are united under the Islamic ‘Aqeedah and by the fact that the Qur’an and the Sunnah are sources of Shari’ah, whereas the principles and verdicts are derived from it. None of them has differed on this issue at all. However, due to Ijtihad, they have differed in the understanding of the Qur’an and the Sunnah, and as a result of this difference different schools of thought and sects emerged. This was due to the fact that Islam encouraged the Muslims to make Ijtihad and to the fact that there are natural variances in understanding. Therefore, differences emerged in the understanding of the ‘Aqeedah, the legislation, and methodology of ‘Usul ul Fiqh. The Messenger of Allah (pbuh) had encouraged Ijtihad and stressed that if the Mujtahid (one qualified to extract rules) makes Ijtihad and he errs, he receives a reward and if he is right his reward is doubled. Therefore, it was never surprising to find the Sunnah, Shi’ah, Mu’tazilah, and other sects. Nor was it surprising to witness the emergence of several Madhahib such as the Shafi’i, the Hanafi, the Maliki, the Hanbali, the Ja’fari, the Zaydi and others. All these Islamic sects and Madhahib embraced one single ‘Aqeedah, i.e. the Islamic ‘Aqeedah, they were all commanded to follow the obligations and abstain from the prohibitions of Allah (swt).They were all under the obligation to abide by the Shari’ah and not by any particular Madhahib .
Der Madhhab ist nur ein bestimmtes Verständnis des schariatischen Urteils, dem der Muqallid (derjenige, der kein Mujtahid ist) folgt, wenn er nicht in der Lage ist, selbst Ijtihad zu betreiben. Der Muslim ist durch die göttliche Vorschrift verpflichtet und nicht durch den Madhhab. Er entnimmt die Vorschrift durch Ijtihad, wenn er dazu fähig ist; andernfalls entnimmt er sie, indem er einem Madhhab folgt, wenn er nicht in der Lage ist, Ijtihad zu betreiben. Daher sind alle Sekten und Madhahib, die den islamischen 'Aqida angenommen haben und an den Qur'an und die Sunnah als alleinige Quelle der Schari'ah glauben, islamisch. Ihre Vertreter sind alle Muslime, und die islamischen Gesetze sind auf sie anzuwenden. Der Staat sollte sich daher nicht in diese Gruppen einmischen, ebenso wenig in die Anhänger der verschiedenen Madhahib, solange sie nicht vom islamischen 'Aqida abweichen. Weichen sie jedoch vom islamischen 'Aqida ab, sei es einzeln oder gemeinsam, so gilt dies als Irtidad (Abfall vom Islam), und die Strafe für Abtrünnige wird an ihnen vollzogen. Die Muslime sind an alle islamischen Gesetze gebunden. Einige dieser Gesetze sind eindeutig und lassen nur eine gültige Auffassung zu, wie das Abschlagen der Hand des Diebes, das Verbot des Wuchers, die Pflicht zur Zakah und die Festlegung der Pflichtgebete auf fünf usw. Diese Gesetze sind für alle Muslime verbindlich, die einem einzigen Verständnis folgen, denn sie sind eindeutig und entscheidend.
The Madhahib is only a particular understanding of the Shari’ah verdict which is followed by the Muqallid (the one who is not a Mujtahid) if he is unable to make his own Ijtihad. The Muslim is commanded by the Divine rule and not by the Madhab. He takes the rule by means of Ijtihad if he can, otherwise he takes it by following a Madhab if he is unable to make Ijtihad. Therefore, all the sects and Madhahib which embraced the Islamic ‘Aqeedah, and believed in the Qur’an and Sunnah - as the sole source of Shari’ah - are all Islamic. Their advocates are all Muslims and the Islamic laws are to be implemented on them. The State should not, therefore, interfere with these groups nor with the followers of various Madhahib as long as they do not deviate from the Islamic ‘Aqeedah, but if they deviated from the Islamic ‘Aqeedah, whether individually or collectively, this would be considered an act of Irtidad (apostasy) from Islam and the punishment of apostates would be carried out on them. The Muslims are compelled by all Islamic laws. Some of these laws are definite with only one valid opinion, like the cutting of the hand of the thief, the prohibition of usury, the obligation of Zakah, and the obligatory prayers being five, etc. These laws are binding on all Muslims following one single understanding, for they are definite and decisive.
Es gibt mehrere Regeln und Ansichten, in denen die Muslime voneinander abweichen, weil jeder Mujtahid eine Sache anders versteht als der andere. Beispiele hierfür sind die Voraussetzung für das Kalifat, die Erhebung des Zehnten auf Kharaj-Land oder die Verpachtung von Land, unter anderem. Bei solchen Gesetzen übernimmt der Khalif eine Meinung, und der Gehorsam ihr gegenüber wird für alle verpflichtend. Jeder, der eine andere Meinung vertritt als die vom Khalifen übernommene, soll diese Meinung aufgeben und sich der Meinung des Imams fügen. So beendet die Meinung des Imams alle Meinungsverschiedenheiten, und der Gehorsam gegenüber dem Imam ist für alle verpflichtend. Alle Muslime sind verpflichtet, die Anordnung des Khalifen bezüglich der Meinungen, die er übernimmt, auszuführen, und seine Meinung ist für sie bindend, sowohl öffentlich als auch privat. Wer eine göttliche Regel umsetzt, die sich von der vom Imam übernommenen unterscheidet, begeht eine Sünde. Sobald der Khalif eine Scharia-Regel erlässt, wird sie für alle Muslime bindend. Die Scharia-Regel zu einer Sache kann für eine Person nicht mehrfach bestehen.
There are several rules and thoughts on which the Muslims differed, due to each Mujtahid understanding an issue differently from the other. For example, the prerequisite of the Khaleefah or the taking of the tithe on the Kharaj land or the rental of land, amongst others. In the case of such laws, the Khaleefah adopts an opinion and obedience becomes compulsory on everyone. Everyone who holds a different opinion to that adopted by the Khaleefah should abandon that opinion and comply with the Imam’s opinion. Thus the opinion of the Imam settles all the differences and the obedience to the Imam is compulsory on everyone. The Muslims are all obliged to execute the order of the Khaleefah concerning the opinions which he adopts and his opinion is binding on them, both publicly and privately. Whoever implements a Divine rule other than the one adopted by the Imam will be sinful. Once the Khaleefah enacts a Shari’ah rule it becomes binding upon all Muslims. The Shari’ah rule concerning one issue cannot be multiple for one person.
Der Khalifah sollte jedoch kein bestimmtes Gesetz übernehmen, das Fragen der ʿAqīdah betrifft, denn dies würde den Muslimen Beschwerlichkeit bereiten. Wenn jedoch Neuerungen und Tendenzen aufkommen, die auf fehlerhaften ʿAqāʾid beruhen, so würde der Staat die Schuldigen mit festen Maßnahmen zur Verantwortung ziehen, solange diese Neuerungen nicht zum Unglauben führen. Falls dies doch geschähe, würden die verantwortlichen Personen als Abtrünnige behandelt. Ebenso sollte der Khalifah kein bestimmtes Gesetz übernehmen, das Fragen des Gottesdienstes betrifft, denn auch dies würde zu einer Beschwerlichkeit für die Muslime führen.
However, the Khaleefah should not adopt a particular law which concerns matters related to the ‘Aqeedah, because this would cause hardship on the Muslims. But if innovations and tendencies based on erroneous ‘Aqa’id emerged, the State would hold accountable the culprits with firm measures as long as these innovations do not lead to disbelief. If they did, the responsible individuals would be treated as apostates. Also, the Khaleefah should not adopt any particular law which concerns matters related to worship because this too would lead to a hardship for the Muslims.
Daher soll der Khalifah in Fragen der ʿAqīda keine bestimmte Auffassung übernehmen, solange diese islamisch sind, und er übernimmt in Fragen der Gottesverehrung keine bestimmte Rechtsvorschrift, außer bei der Zakāt, solange diese Gottesdienste zugelassene göttliche Vorschriften sind. Abgesehen davon kann der Khalifah jede bestimmte Rechtsvorschrift übernehmen und in Kraft setzen, die sich auf Rechtsgeschäfte bezieht, angefangen beim Kaufen und Verkaufen, Vermieten, der Ehe, Scheidung, dem Unterhalt, der Geschäftspartnerschaft, dem Sorgerecht usw. Er kann auch eine bestimmte Vorschrift zum Strafrecht sowie zu Ernährung, Kleidung oder sittlichen Fragen in Kraft setzen und übernehmen, und die Muslime sind verpflichtet, ihm in allem zu gehorchen, was er übernimmt.
Therefore, the Khaleefah should not adopt any particular opinion in matters of ‘Aqeedah as long as these were Islamic, and he does not adopt any particular law in matters of worship, except for Zakat, as long as these acts of worship are approved Divine laws. Other than that, the Khaleefah can adopt and enact any particular law related to transactions, ranging from buying and selling, renting, marriage, divorce, alimony, business partnership, custody, etc. He can also enact and adopt a particular law concerning the penal code, or concerning diet, clothing or moral issues, and the Muslims are obliged to obey him in whatever he adopts.
Der Khalifah muss die Scharia in Bezug auf die Handlungen des rituellen Gottesdienstes umsetzen. Er bestraft diejenigen, die das Gebet vernachlässigen, und diejenigen, die das Fasten im Monat Ramadan nicht einhalten. Er setzt alle Gesetze bezüglich der gottesdienstlichen Handlungen um, zusätzlich zur gesamten Scharia, und dies ist seine Pflicht. Die Verpflichtung zum Gebet ist keine Frage, die dem Ijtihad offensteht, und kann nicht als ein Gesetz betrachtet werden, das erst angenommen wird; es ist schlicht die Umsetzung einer göttlichen Regel, die bei allen eindeutig feststeht. Was das Strafrecht betrifft, so übernimmt der Khalifah ein Gesetz, dem alle Muslime Folge zu leisten angewiesen sind, ebenso wie bei jedem anderen Strafgesetzbuch. Dies gilt, soweit es die Muslime betrifft. Was die Nicht-Muslime betrifft, so sind dies Menschen, die einen anderen Glauben als den islamischen angenommen haben, und sie werden in die folgenden Kategorien eingeteilt:
The Khaleefah has to implement the Shari’yah related to the acts of ritual worship. He punishes those who abandon the prayer and those who do not observe fasting in the month of Ramadhan. He implements all laws regarding acts of worship in addition to all of the Shari’yah and this is his duty. The obligation of prayer is not a matter open for Ijtihad and cannot be considered as a law being adopted, it is plainly the implementation of a Divine rule that has been conclusively established among everyone. As for the penal code, the Khaleefah adopts a law which all Muslims will be ordered to comply with, the same as for any other penal code. This is as far as the Muslims are concerned. As for the non-Muslims, these are the people who have embraced a creed other than the Islamic one, and they are classified under the following categories:
1) Diejenigen, die vorgeben, Muslime zu sein, während sie an Glaubensinhalte glauben, die dem islamischen 'Aqeedah widersprechen.
1) Those who claim to be Muslims while believing in some issues in their creed which contradicts the Islamic ‘Aqeedah.
2) Die Leute der Schrift.
2) The People of the Book.
3) Die Polytheisten, unter denen sich die Madschus (Feueranbeter), Hindus, Buddhisten und alle diejenigen befinden, die nicht zu den Leuten der Schrift gehören.
3) The Polytheists, among whom are the Majus (fire worshippers), Hindus, Buddhists and all those who are not People of the Book.
Diese Menschen werden in Ruhe gelassen, und in ihre Glaubensvorstellungen oder ihre Gottesverehrung wird nicht eingegriffen. Ihnen wird erlaubt, sich in Fragen der Ehe und Scheidung nach ihrer Religion an ihre eigenen Gesetze zu halten. Der Staat wird einen Richter aus ihrem eigenen Volk bestellen, der ihre Streitigkeiten auf der Grundlage ihrer Religion in staatlichen Gerichten beilegt. Was ihre Ernährung und ihre Kleidung betrifft, so werden sie nach ihren eigenen Regeln behandelt, innerhalb der öffentlichen Ordnung. Menschen, die nicht zu den Leuten der Schrift gehören, werden in gleicher Weise behandelt. Der Gesandte Allahs ﷺ sagte in Bezug auf die Majus: „Behandelt sie so, wie ihr die Leute der Schrift behandelt.“ Was Geschäfte und das Strafrecht betrifft, so werden sie an Muslimen wie an Nicht-Muslimen gleichermaßen umgesetzt. Strafurteile werden gegen Nicht-Muslime in gleicher Weise gefällt wie gegen Muslime, ohne jede Voreingenommenheit. Alle, die die Staatsbürgerschaft des Islamischen Staates besitzen, sind verpflichtet, sich unabhängig von ihrer Religion, Rasse oder Konfession an die die Geschäfte und das Strafrecht betreffende Scharia zu halten. Sie alle müssen sich an die Scharia halten. Ihre Befolgung der Gesetze wäre jedoch gesetzgeberisch und rechtlich, nicht religiös oder spirituell. Sie wären daher nicht verpflichtet, an sie zu glauben, denn das würde bedeuten, sie zum Übertritt zum Islam zu zwingen; Allah (swt) sagt:
These people will be left alone and there is no interference with their beliefs or their worship. They will be allowed to adhere to their own laws in matters of marriage and divorce according to their religion. The State will appoint a judge from their own people to settle their disputes based on their religion in courts belonging to the State. As for their diet and adornment, they will be treated according to their own rules within the public order. People other than the People of the Book will be treated in the same way. The Messenger of Allah (pbuh) said concerning the Majus, “Treat them in the same way you treat the People of the Book.” As for transactions and penal code, they are implemented on Muslims and non-Muslims alike. Penal judgments will be passed on non-Muslims in the same way as on Muslims without any prejudice. All those who hold the citizenship of the Islamic State are obliged to comply with the Shari’yah related to transactions and penal codes regardless of their religion, race, or sect. They all have to abide by the Shari’yah. However, their adherence to the laws would be legislative and legal rather than religious or spiritual. They would therefore not be obliged to believe in them because that would constitute them being forced to embrace Islam; Allah (swt) says,
„Es gibt keinen Zwang im Din.“ [Al-Baqarah, 2:256].
“No compulsion in the Deen.” [Al-Baqarah, 2:256].
Der Gesandte Allahs ﷺ hat den Muslimen untersagt, sich in den Glauben der Schriftbesitzer einzumischen oder sie deswegen zu verfolgen, jedoch wären sie verpflichtet, den islamischen Gesetzen aus gesetzgeberischer und rechtlicher Sicht Folge zu leisten.
The Messenger of Allah (pbuh) has forbidden the Muslims from interfering with or persecuting the People of the Book about their belief, but they would be obliged to comply with the Islamic laws from a legislative and legal point of view.
Abschließend wäre die Innenpolitik des Islamischen Staates, die islamische Scharia auf alle anzuwenden, die die Staatsbürgerschaft besitzen, gleich ob sie Muslime oder Nichtmuslime sind. Die Gesetze würden wie folgt umgesetzt:
In conclusion, the Islamic State’s domestic policy would be to implement the Islamic Shari’ah on all those who hold the State’s citizenship, whether they were Muslims or non-Muslims. The laws would be implemented as follows:
1) Alle islamischen Gesetze würden für die Muslime umgesetzt.
1) All Islamic laws would be implemented upon the Muslims.
2) Nicht-Muslimen wird in Bezug auf ihren Glauben und ihre Gottesdienste nicht in den Weg getreten.
2) Non-Muslims would not be interfered with regarding their beliefs and worship.
3) Nicht-Muslime würden in Angelegenheiten, die Ernährung und Kleidung betreffen, entsprechend ihrem Glauben behandelt, im allgemeinen Rahmen des Gesetzes.
3) The non-Muslims would be treated according to their beliefs in matters related to diet and adornment within the general frame work of the law.
4) Streitigkeiten im Zusammenhang mit Ehe und Scheidung für Nicht-Muslime würden durch die Ernennung von Richtern aus ihren eigenen Reihen in staatlich eingerichteten Gerichten behandelt und nicht in privaten Gerichten; ähnliche Streitigkeiten zwischen ihnen und den Muslimen würden nach dem islamischen Recht durch muslimische Richter behandelt.
4) Disputes related to marriage and divorce for non-Muslims would be dealt with by appointing judges from themselves in courts set up by the State and not in private courts; similar disputes between them and the Muslims would be dealt with according to Islamic law by Muslim judges.
5) Der Staat wird alle übrigen Angelegenheiten der Scharia, die sich auf wirtschaftliche, soziale und rechtliche Transaktionen beziehen, gegenüber jedem Bürger durchsetzen, ob Muslim oder Nichtmuslim, ohne Ansehen der Person.
5) The State will enforce all other Shari’ah matters related to economic, social, and legal transactions on every citizen Muslim and non-Muslim alike without prejudice.
6) Alle, die die islamische Staatsbürgerschaft besitzen, sind Untertanen des Staates. Ihre Betreuung und die Verwaltung ihrer Angelegenheiten obliegt dem Staat, ohne jegliche Diskriminierung.
6) All those who hold the Islamic citizenship are subjects of the State, their guardianship and the management of their affairs is the duty of the State, without any discrimination.