Die praktische Umsetzung des Islam wird von zwei Instanzen vorgenommen, die die Verantwortung für die Durchführung des Systems tragen. Sie sind: der Richter, der dafür zuständig ist, Streitigkeiten zwischen Menschen beizulegen, und der Herrscher, der die Menschen regiert. Durch aufeinanderfolgende Berichte (tawatur) ist überliefert, dass die Richter, die vom Zeitalter des Gesandten Gottes ﷺ bis zum Untergang des Kalifats in Istanbul die Streitigkeiten zwischen Menschen beilegten, in allen Angelegenheiten nach den Gesetzen der Scharia urteilten. Dies galt, ob die Streitigkeiten zwischen Muslimen oder zwischen Muslimen und Nicht-Muslimen bestanden. Die Gerichte, die Streitfälle wie Rechtsverletzungen, Familienangelegenheiten, Strafverfolgung usw. entschieden, unterstanden einem einzigen Gericht, das ausschließlich auf der islamischen Scharia beruhte. Niemand hat je berichtet, dass auch nur ein einziger Fall nach anderen als den Regeln der islamischen Scharia entschieden worden wäre, noch hat je ein einziges Gericht in den islamischen Ländern nach anderem als dem Islam geurteilt, bevor die Gerichte unter dem regelmäßigen Einfluss des Kolonialismus in scharʿi (scharia-gemäße) und nizami (zivile) Gerichte aufgeteilt wurden. Der deutlichste Beweis dafür findet sich in den Protokollen der scharʿi-Gerichte, die in den alten Städten Jerusalem, Bagdad, Damaskus, Kairo und Istanbul erhalten sind. Diese Protokolle sind ein schlüssiger Beweis dafür, dass allein die Scharia von den Richtern angewandt wurde. Selbst Nicht-Muslime pflegten islamische Fiqh-Literatur zu studieren und zu verfassen, wie Saleem al-Baz, der einen Kommentar zur al-Madschalla verfasste. Gesetze, die gegen Ende des Staates eingeführt wurden, wurden auf der Grundlage von Fatwas der Gelehrten eingeführt, dass solche Gesetze den Ahkam der Scharia nicht widersprechen. Folglich wurde das osmanische Strafgesetzbuch im Jahr 1275 n. H. (1857 n. Chr.) zur Anwendung eingeführt, und das Gesetz über Rechte und Handel wurde im Jahr 1276 n. H. (1858 n. Chr.) eingeführt. Darauf folgte im Jahr 1288 n. H. (1870 n. Chr.) die Teilung der Gerichte in zwei: scharʿi-Gerichte und staatliche Rechtsgerichte, und ein Erlass wurde verabschiedet, um diese Teilung zu regeln. Im Jahr 1295 n. H. (1877 n. Chr.) wurde ein Gesetz zur Regelung der gesetzlichen Gerichte erlassen. Im Jahr 1296 n. H. H (1878 n. Chr.) wurde die Verfahrens- und Strafordnung erlassen. Da die 'Ulema' keinen Anlass fanden, das bürgerliche Recht anzuwenden, wurde es beiseitegelegt, und die Scharia-Rechtssammlung (al-Majallah) wurde 1286 n. H. (1868 n. Chr.) als Regelwerk für Rechtsgeschäfte herausgegeben. Alle diese Regelwerke wurden als vom Islam erlaubte Bestimmungen erlassen und, wie in den Erlassen, mit denen sie eingeführt wurden, eindeutig dargelegt, nicht anders in Kraft gesetzt, als nachdem eine Fatwa ihre Zulässigkeit bestätigt hatte und sie vom Scheich al-Islam genehmigt worden waren. Die kolonialistischen Behörden haben seit 1918 n. Chr. einige islamische Länder besetzt und Zivilstreitigkeiten nach nichtislamischen Gesetzen beigelegt. Die Länder hingegen, die nicht physisch von kolonialistischen Armeen besetzt wurden, obwohl sie unter deren Einfluss standen, regelten ihre Rechtspflege bis vor Kurzem nach dem Islam, so etwa Afghanistan und die Arabische Halbinsel, also Hidschaz, Nadschd und Kuwait, wenngleid die Herrscher dieser Länder den Islam heute nicht mehr umsetzen. Demnach stellen wir fest, dass der Islam in der Rechtspflege angewandt wurde und während aller Epochen des islamischen Staates kein anderes Recht in der Rechtspflege zur Anwendung kam.
The practical implementation of Islam is undertaken by two entities having the responsibility to implement the system. They are: The judge who is responsible for settling disputes between people, and the ruler who governs the people. It has been narrated through successive reports (tawatur) that the judges who settled the disputes between people from the time of the Messenger (saw) till the demise of the Khilafah in Istanbul, settled the disputes in all affairs with the laws of the Shari’ah. This is whether the disputes were between Muslims or between Muslims and non-Muslims. The courts that settled disputes, such as infringement of rights, family matters, criminal prosecution, etc. were under one single court based on the Islamic Shari’ah only. No one ever reported that even one case had been settled according to other than the Islamic Shari’ah rules or even one court in the Islamic countries has ever judged with other than Islam before the courts were divided into shar’ai and nizami (civil) under the regular influence of colonialism. The clearest proof of this is contained in the records of the shar’ai courts preserved in the old cities of Jerusalem, Baghdad, Damascus, Cairo and Istanbul etc. These records are a conclusive proof that only the Shari’ah was implemented by the judges. Even non-Muslims used to study and write Islamic fiqh like Saleem al-Baz, who wrote a commentary on al-Majallah. Laws that were introduced towards the demise of the state, were introduced on the basis of the scholars fatwa that such laws do not contradict the AHkam Shari’ah. Consequently, the 'Uthmani penal code was introduced for application in 1275 A.H (1857 C.E.) and the Law of Rights and Trade was introduced in 1276 A.H (1858 C.E). This was followed in 1288 A.H (1870 C.E) by dividing of the courts into two: Shari’ah courts and official law courts and a decree was passed to arrange this division. In 1295 A.H (1877 C.E) a law was issued to regulate statuary courts. In 1296 A.H (1878 C.E) the Rights and Penalties Procedure was issued. Since the 'ulema'a did not find any justification to use the civil law, it was put aside and the Shari’ah magazine (al-Majallah) was issued in 1286 A.H (1868 C.E.) as a canon for transactions. All these canons were issued as rules permitted by Islam and were not enacted except, as clearly spelled out in the decrees introducing the canons, after a fatwa was given to allow them and after being permitted by the Sheikh al-Islam. The colonialist authorities since 1918 C.E. have occupied some Islamic lands and were settling disputes over the civil cases according to non-Islamic laws. Whereas, those countries which were not physically occupied by colonialist armies, although they are under its influence, continued to rule judicially according to Islam until recently, such as Afghanistan and the Arabian peninsula i.e. Hijaz, Najd and Kuwait, though the rulers in these countries no longer implement Islam. Accordingly, we observe that Islam was implemented judicially and no other law was applied in the judiciary throughout all the ages of the Islamic State.